MdB Irmer zu Besuch bei RDK Touristik

Die Reisebranche hat es richtig gebeutelt

Die Reisebranche, ob groß, ob klein, hat es bedingt durch die Coronakrise hart getroffen. Umsatzrückgänge von bis zu 90 Prozent sind an der Tagesordnung. Dies gilt auch für Reise365.com - RDK Touristik GmbH, ein seit 1990 existierendes Unternehmen im Dillenburger Stadtteil Manderbach. Dessen Geschäftsführer Rolf-Dieter Kauferstein nutzte jetzt die Gelegenheit, dem heimischen CDU-Bundestagsabgeordneten Hans-Jürgen Irmer die derzeitige brisante Situation zu erläutern.

Das Unternehmen habe in den letzten Jahren sehr ordentliche Umsätze getätigt. Doch durch den Einbruch bedingt fahre man praktisch gegen Null, so dass auch Mitarbeiter entlassen werden mussten, was ausgesprochen schmerzhaft sei. Die meisten Arbeitsplätze sind nicht wie viele vermuten bei den Großkonzernen, sondern bei den Kleinen und Mittelständlern. Befürchtet wird, dass die Mehrheit der 11.000 Reisebüros und über 2.300 kleine und mittelständische Reiseveranstalter in Deutschland die existenzielle Bedrohung durch die Corona-Pandemie nicht überstehen werden. Viele Arbeitsplätze sind in direkter und indirekter Linie von der Touristik abhängig und somit durch die Pandemie bedroht.

Reise365.com - RDK Touristik, so Kauferstein, habe sich in der Vergangenheit mit Herzblut auf sehr viele besondere Reiseideen spezialisiert. So z.B. auch mit dem Projekt „Zurück nach Damals…Reisen mit nostalgischen, historischen Verkehrsmitteln“. Gerade diese Individualität, gerade diese Regionalität, gerade die Fähigkeit, ganz individuell auf Kundenwünsche einzugehen, machen kleinere Touristikunternehmen so attraktiv und bilden so ein festes Rückgrat in der heimischen Wirtschaft. Dies hat auch die IHK Lahn-Dill erkannt.

Mit Sorge betrachte er, und das war der Grund für den Besuch Irmers in Dillenburg, den Gesetzentwurf aus dem Hause der Bundesjustizministerin, wonach es eine neue Regelung für Insolvenzabsicherungen von Reiseveranstaltern geben soll. Prinzipiell spreche nichts gegen einen künftigen Reisesicherungsfonds, der allen Reiseanbietern offenstehen soll. Für diejenigen mit einem jährlichen Nettoumsatz mit Pauschalreisen von 3 Millionen Euro oder mehr bestehe die Pflicht, sich über den Reisesicherungsfonds abzusichern. Reiseunternehmen mit geringeren Umsätzen könnten sich wie bisher mittels einer Versicherung oder einer Bankbürgschaft absichern.

Dies sei, so Kauferstein, zu kurz gesprungen, denn mit dem Fonds würden praktisch die großen Konzerne, die mit viel weniger Herzblut als die unternehmergeführten Betriebe für die touristische Vielfalt sorgen, durch die Kleinen und Mittelständler abgesichert. Mit einem Fonds für alle, zahlen im Falle einer Insolvenz eines Großveranstalters aus Hannover die Kleinen und Mittelständler die Zeche.

Zurzeit erwägt die Regierung gegenüber dem Versicherer Zurich eine Klage, um die Ausgleichszahlungen im Insolvenzfall Thomas Cook zurückzubekommen. Gerade in der Krise ist dieses Vorgehen taktisch unklug. Warum sollen Versicherungen nun für damalige staatliche Fehler (Haftungshöchstgrenze von 110 Millionen Euro pro Geschäftsjahr) noch zur Verantwortung gezogen werden? Die wenig noch verbleibenden Versicherungen werden sich aus dem für sie schon lange nicht mehr lukrativen Geschäft mehr und mehr zurückziehen. Und dann?

Schon jetzt und erst recht nach der Pandemie, wo die Bilanzen verhagelt sind, wird es für den Mittelstand kaum darstellbar sein, Versicherungen zu finden, die die gesetzlich vorgeschriebene Versicherung noch anbieten. Wenn überhaupt dann nur mit entsprechend hohen Versicherungskosten und immensen Bürden.

Deshalb mache es aus seiner Sicht Sinn, einen zweiten Reisesicherungsfonds bundesweit aufzulegen, der die Interessen der kleinen und mittelständischen Reiseunternehmen berücksichtige. Die meisten Kleinen und Mittelständler bieten überwiegend erdgebundene Reisen an, wo das Risiko deutlich geringer ist als Reisen per Flugzeug. Diese Argumentation sei nicht von der Hand zu weisen, so Irmer. Er wolle deshalb diese Anregung gegenüber der Bundesjustizministerin deutlich machen.

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Bundestagsabgeordneter der CDU Lahn-Dill
Herausgeber Wetzlar Kurier
Aktuelle Ausgabe9/2021