Sozialminister Kai Klose (Grüne):

Kein Verständnis für Chöre
Scharfe Kritik der Union an dieser Haltung

Mit großer Verwunderung habe die CDU Lahn-Dill zur Kenntnis genommen, so Kreisvorsitzender Hans-Jürgen Irmer, dass Hessens Sozialminister Kai Klose in einer neuen Corona-Verordnung festgestellt habe: „Es wird davon ausgegangen, dass ein besonderes öffentliches Interesse für Chorproben nicht besteht; Chor- und Orchesterproben, die nicht beruflich bedingt sind und für die deshalb kein öffentliches Interesse besteht, dürfen daher aktuell nicht stattfinden.“

Musik, in welcher Form auch immer, ob instrumental, ob im Chorgesang, habe, und das sei wissenschaftlich unzweifelhaft, positive Auswirkungen auf Seele und Gesundheit. Es gebe eine Fülle von Studien über die Bedeutung des Chorgesanges und der Musik, die alle die unterschiedlichen, aber positiven Wirkweisen auf den Menschen dokumentierten. „Ich kann“, so Irmer, „den Ärger der hessischen Sänger sehr gut verstehen und teile die Kritik des Hessischen Sängerbundes genauso wie des Hessischen Musikverbandes und anderer Institutionen aus dem Bereich der Musik, wenn diese zu Recht darauf hinweisen, dass etwa eine Million Hessen in Chören und Orchestern musizieren.“ Amateurmusik, so die Kritiker der Verordnung aus dem grünen Sozialministerium, trage zum Zusammenhalt der Gesellschaft bei, sie sei essenzieller Bestandteil außerschulischer Bildung, erhöhe und fördere Gesundheit und Lebensqualität und stelle auch einen Teil der Identität vieler, insbesondere junger Hessen dar.

Der Chorgesang habe im letzten Jahr Corona-bedingt erheblich gelitten, und es müsse alles darangesetzt werden, dass Chöre wieder verstärkt proben können. Hier sei auch die öffentliche Hand gefordert, entsprechende Bürgerräume oder nicht genutzte Sporthallen zumindest zeitweise entsprechend zur Verfügung zu stellen, wenn das Wetter für Außenproben nicht mitspiele. Mancher Gesangverein habe in den vergangenen Jahren ohnehin schon Nachwuchsprobleme gehabt, und wenn jetzt keine Perspektive bestehe, bestehe die große Gefahr, dass allein dadurch bedingt das sehr breite und vielfältige Spektrum unterschiedlichster Chöre, aber auch Orchester auf Dauer nicht zu halten sei. Von daher sei die Aussage aus dem Ministerium eine Ohrfeige für alle Aktiven und diese Form der so wichtigen kulturellen Arbeit für unsere Gesellschaft.

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Bundestagsabgeordneter der CDU Lahn-Dill
Herausgeber Wetzlar Kurier
Aktuelle Ausgabe4/2021