Dramatischer Appell an Kreisjugendamt

Das Kindeswohl sollte oberste Priorität haben - und sonst nichts!

Es geht im Nachfolgenden um ein mittlerweile drei Jahre altes Mädchen aus einer Lahn-Dill-Kreis-Gemeinde. Es geht um dessen Wohlergehen. Für dieses Wohl sind selbstredend und zuvorderst die Eltern zuständig. Sollten diese - aus welchen Gründen und Umständen auch immer - gemeinsam nicht in der Lage sein, dann kommen zwangsläufig weitere Personen, im vorliegenden Fall die Eltern der Kindesmutter, und auch Institutionen, speziell das Jugendamt, aber auch die Justiz, ins Spiel. Dass in dem Fall, der diesem Artikel zugrunde liegt, längst nicht alles im Blick auf das Kindeswohl so läuft, wie es eigentlich notwendig ist und bezüglich von Jugendamt und Justiz auch in deren Kompetenzen und Aufgaben gehört, ist nach Lage der Dinge offensichtlich.

Zum Nachteil des Kindes, zum großen Unverständnis der Mutter, die ihre Hilferufe ignoriert sieht, und zu anhaltendem Ärger und Bitterkeit der Großeltern, die trotz intensiver Bemühungen besonders an ihrer offenbaren Ohnmacht und Einflusslosigkeit auf das Gebaren von Jugendamt und auch der Justiz leiden. Sie sehen die Gefährdung des kleinen Mädchens, ihrer Enkeltochter, benennen und weisen auf diese aus ihrer Sicht ungute Entwicklung seit langem mündlich und schriftlich hin und fühlen sich gerade deshalb alleine gelassen, ja in ihrer begründeten Sorge gerade von denen nicht ernst genommen, die bei offiziellen Entscheidungen am längeren Hebel sitzen.

Verfahrene Lage

Um welche verfahrene Lage, die umfassend zu beleuchten im Rahmen dieses Berichts nicht möglich ist, handelt es sich? Im Grunde geht es um Umgangskontakte des Kindesvaters, der seit zwei fast zwei Jahren von seiner Frau, der Kindesmutter, getrennt lebt, mit der gemeinsamen Tochter. Neben anderen Ursachen, zum Beispiel gewalttätige Ausbrüche und Erniedrigungen zum Nachteil und Schaden der Ehefrau, waren die Alkoholprobleme des Mannes Grund für die Frau, die seit Mai 2019 mit ihrer kleinen Tochter wieder im Hause ihrer Eltern lebt, ihren Ehemann zu verlassen. Folge davon waren und sind Drohungen, Einschüchterungen und, so die junge Mutter, „Lügen“ des verlassenen Ehemannes. So füllen mittlerweile unter anderem über zweihundert Stalking-Emails einen Ordner.

Vom Jugendamt des Lahn-Dill-Kreises, an das sich die junge, von ihrem Mann „geflüchtete“ Mutter hilfesuchend erstmals im Mai 2019 gewandt hat, um Schutz für sich und vor allem das kleine Kind zu erhalten, blieb der erwartete Beistand aus. Im Gegenteil. Die Abteilung Kinder- und Jugendhilfe des Lahn-Dill-Kreises bewilligte einen Antrag des Kindesvaters auf begleitete Umgangskontakte - unter Außerachtlassung der geschilderten Vorgeschichte. Ende Juni 2019 ließ das Jugendamt wissen, dass es an den Eltern sei, eine gemeinsame Regelung bezüglich „harmonischer Umgangskontakte“ für das Kind zu finden. Eine Nachfrage bei der Mutter, weshalb ein Schutz für die gemeinsame Tochter notwendig sei, gab es seitens des Jugendamtes offensichtlich nicht. Auf dieser „wackeligen“ Basis finden also die Kontakte statt. Mit unguten Ergebnissen.

Manipulation und Instrumentalisierung

Das kleine Mädchen kommt oft verstört zu seiner Mutter - und zu den Großeltern - zurück, schläft nicht mehr gut, nässt wieder ein, reagiert trotzig und „kann sich selbst nicht mehr leiden“. Und macht Aussagen wie: „Ich bin nicht mehr Mamas Tochter, Oma und Opa sind böse“. Sie müsse immer Nein sagen und dürfe nicht mehr auf ihre Mama hören. Opa, Oma und Mama seien „blöd“. Es stellt sich heraus, dass es der „Papa“ ist, der dem Kind diese Verhaltensweisen einbläut. Für Mutter und Großeltern ist klar, dass der Kindesvater das kleine Mädchen manipuliert, separiert und gegen Mutter und Großeltern negativ beeinflusst und instrumentalisiert. Entsprechende Schreiben ans Familiengericht in Wetzlar bleiben unbeantwortet und damit offenbar unbeachtet. Jugendamt und Familienrichterin bestehen auf den Kontakten Vater-Tochter, schauen aber bei dieser „Gewalt am Kind“ weg, beschweren sich die Großeltern. Sie sehen das kleine Mädchen als Opfer, das vom Gericht nun schon fast zwei Jahre gezwungen werde, mit dem Kindesvater - für die Großeltern ist er ein „Täter“ - ganz offensichtlich „unter Angst“ zu kommunizieren.

Laut Beschluss des Familiengerichts Wetzlar vom Juni 2020 ist der Kindesvater berechtigt und verpflichtet, die gemeinsame Tochter der Ausübung des Umgangsrechts zu sich zu nehmen. Umgangsrechte, die ab März 2021 auf eine Woche ausgedehnt werden sollen. Und dies angesichts eines laufenden Gewaltschutzverfahrens und eines von der Staatsanwaltschaft von Amts wegen eingeleiteten Ermittlungsverfahrens wegen sexuellen Kindesmissbrauchs gegen den Kindesvater. Dies auch vor dem Hintergrund, dass der Kindesvater, der einer Sekte angehört, im Kindesalter selbst missbraucht wurde.

Mutter und Großeltern führen sich alleine gelassen

Die bei ihren Eltern lebende Mutter der Dreijährigen will ihr Kind vor der seelischen Gewalt des Kindesvaters schützen. Und fühlt sich von Jugendamt und Familiengericht alleine gelassen. Und stellt fest, dass weder die „Verfahrensbeiständin“ noch das Jugendamt oder das Familiengericht ihre kleine Tochter gesehen haben. Sie alle wollten aber offenbar wissen, was für die Kleine das Beste sei, sähen aber nicht die psychische Gewalt des Vaters während der Umgangskontakte. Warum, so die Frage von Mutter und Großeltern, schauen Familienrichterin und Jugendamt bei dieser Art von Gewalt gegen das Kind weg und ermöglichen dem Kindesvater - oder wie sie es einordnen: dem „Täter“ - auf diese Weise weiterhin psychische Gewaltausübung.

Von einer „aussichtslosen Situation, die uns auffrisst und langsam zermürbt“, sprechen Mutter, Oma und Opa der Dreijährigen, deren eigentlich friedliches Leben dem Kampf gewichen ist, ein unschuldiges kleines Mädchen vor ihrem eigenen Vater zu schützen - um dabei immer wieder Rückschläge zu erleiden. So erst kürzlich. Ein Antrag ihres Rechtsbeistandes beim Familiengericht, aufgrund der Auffälligkeiten des Kindes und der nach ihrer Überzeugung nachweislichen Manipulationen seitens des Kindesvaters eine Umgangsaussetzung bzw. Umgangsausschluss zu erwirken, wurde von der Richterin nur einen Tag später per Beschluss abgelehnt. Eine Entscheidung, die Mutter und Großeltern nicht verstehen können. Denn sie hat zur Folge, dass das dreijährige Mädchen weiterhin „unbegleiteten Umgang“ mit einem Vater haben muss, den Mutter, Großmutter und Großvater als „gewalttätig und hoch manipulativ“ bezeichnen.

Appell an Jugendamt und Familiengericht

Letztgenannte wünschen sich dringend, dass Jugendamt und Familiengericht endlich die betrüblichen Tatsachen zur Kenntnis nehmen, genauer hinsehen und dann auf dieser Wissensbasis endlich Entscheidungen treffen, die dem Wohl des dreijährigen Kleinkindes wirklich dienen. Das wäre ihre Pflicht. Denn bisher sei dies nicht der Fall. Denn alle bisherigen Entscheidungen von Jugendamt und Familiengericht fußen letztlich auf einem familienpsychologischen Gutachten, das die Großeltern von einem der renommiertesten Professoren Deutschlands haben überprüfen lassen. Mit dem Ergebnis, dass dieses Gutachten eine Reihe von Mängeln in Sachen Systematik, Objektivität, Methodik, Transparenz, Nachvollziehbarkeit und damit letztlich keine Aussagekraft aufweise. Das sollte Jugendamt und Familiengericht endlich zu denken und Anlass zu genauerem Hinschauen und differenziertem Entscheiden geben. (Die Namen der in dieser geschilderten Angelegenheit betroffenen und beteiligten Personen sind der Redaktion bekannt)

Über den Autor

Franz Ewert
Aktuelle Ausgabe7/2021