CDU-Antrag zugunsten der Vereine abgelehnt

So werden die Vereine vom Kreis hinters Licht geführt

Im Sommer letzten Jahres beschloss der Kreistag auf Antrag der Kreiskoalition eine Art Notfallfonds für durch Corona bedingt in Not geratene Vereine in Höhe von 100.000 Euro. Die CDU-Kreistagsfraktion stimmte seinerzeit zu, obwohl die Koalition ein Jahr vorher einen Antrag der CDU, der vorsah, pro Jahr einen Notfallfonds in Höhe von 100.000 Euro unbürokratisch einzurichten, abgelehnt hatte! Die CDU wollte hier nicht mit gleicher Münze zurückzahlen. Sie stimmte zu, wobei sich seinerzeit schon die Frage stellte, ob die Bedingungen, die der Kreis stellt, zu erfüllen sind. Beispielsweise kann einen solchen Zuschuss nur ein Verein erhalten, der in mehr als einer dem Kreis angehörigen Gemeinde aktiv tätig ist. Darüber hinaus sollte der Kreis eine Richtlinie erstellen, nach der die Fördermittel vergeben werden.

Nach Informationen der CDU hatte im Spätherbst noch kein einziger Verein einen Antrag gestellt, weil die Bedingungen nicht zu erfüllen waren. Deshalb forderte die Union in einem aktuellen Antrag vom 1.10.2020 die Kreisregierung auf, die Förderrichtlinien zu überarbeiten und für Vereine unbürokratischer und leichter zugänglich zu machen. In der Kreistagssitzung Anfang Dezember wand sich die Koalition. Es war zu erkennen, dass man einem sinnvollen CDU-Antrag nicht zustimmen wollte. Man verwies in Kurzform darauf, dass das Jahr praktisch zu Ende sei und es doch immerhin einen Verein gegeben habe, der 1748 Euro bewilligt bekommen habe.

Unbürokratische Hilfe sieht anders aus. Es ist schon erstaunlich, dass diese unbürokratische Hilfe auf Kreisebene von denen abgelehnt wird, wie von SPD, FDP oder Grünen, die gleichzeitig vom Bund oder vom Land schnelle und unbürokratische Hilfe fordern. Hier hätte man die Möglichkeit gehabt.

Vogel abgeschossen

Kurzum, der Antrag wurde zu Lasten der Vereine abgelehnt. Die Krönung allerdings war ein Artikel im „Sonntag Morgenmagazin“ am 20.12.2020 mit der Überschrift: „Lahn-Dill spannt Auffangnetz für existenzbedrohte Vereine“. Ehrenamtsdezernent Roland Esch erklärte, man habe ein Budget für die Vereins-Corona in Höhe von 100.000 Euro zur Verfügung, und bis zum Jahresende 31.12.2020 (!) könnten Anträge eingereicht werden. Er sei froh, so der Dezernent, dass man die Förderbedingungen entschärfen und den Förderzeitraum verlängern konnte, um somit zum Jahresende noch möglichst viele Vereine unterstützen zu können. Man fragt sich unwillkürlich, in welcher Parallelwelt der Kreisbeigeordnete Esch eigentlich lebt, wenn er allen Ernstes glaubt, dass Vereine unter erschwerten Corona-Bedingungen, was Abstimmungen und Absprachen angeht, und über die Feiertage in der Lage sind, Anträge zu stellen. Anträge, die darüber hinaus Bedingungen erfüllen müssen, die nicht entschärft wurden. Täuschung? Placebo? Veräppelung der Vereine!

Für Kreis sind Vereine das fünfte Rad

Ohnehin muss man feststellen, dass die Vereinsförderung des Lahn-Dill-Kreises seit Jahren auf Sparflamme gekocht wird. Ernsthafte Bemühungen, sich um Vereine, ihre Funktionäre im besten Sinne des Wortes zu kümmern, als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen, sie aufzuwerten, zu Fachgesprächen einzuladen, all dies findet im Lahn-Dill-Kreis so gut wie nicht statt. Wertschätzung sieht anders aus. „Und genau das“, so CDU-Fraktionsvorsitzender Hans-Jürgen Irmer und Spitzenkandidat der Union für die Kommunalwahl am 14. März 2021, „werden wir nach der Kommunalwahl ändern. Die Vereine, egal, in welchem Bereich sie tätig sind, sind für die Kreistagsfraktion der soziale Kitt in dieser Gesellschaft, die mehr Zuwendung in jeder Hinsicht verdient haben, die einen eigenen Dezernenten benötigen, der nicht nur Zeit, sondern auch den Willen und die Empathie mitbringt, sich um die Belange der Vereine zu kümmern.“ Für ihn sei das bekanntermaßen ein Herzensanliegen, und das gelte für die gesamte Kreistagsfraktion.

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Bundestagsabgeordneter der CDU Lahn-Dill
Herausgeber Wetzlar Kurier

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