Die Grünen und der böse Wolf - Teil 2

Erste Wolfs-Vermutungen im Lahn-Dill-Kreis

Die vom hessischen Landwirtschaftsministerium propagierten, sehr aufwändigen und teuren Herdenschutzmaßnahmen, die Erhöhung der Herdenschutzprämie, die von 31 Euro auf 40 Euro pro Hektar erhöht wurde, und die im Februar beschlossene Weidetierprämie sind zwar anerkennenswert, helfen aber nicht zielführend, da die Maßnahmen nicht die tatsächlichen Kosten für die Errichtung und Unterhaltung von Schutzzäunen sowie von speziell ausgebildeten Herdenschutzhunden ausgleichen. Geld alleine kann die Wolfsbejagung nicht ersetzen.

Bedauerlicherweise muss wahrscheinlich erst ein Mensch vom Wolf angegriffen werden, damit auch Ministerin Hinz versteht, dass der Wolf kein Kuscheltier ist. Es ist unverantwortlich, hier nicht zu handeln, um präventiv Schlimmeres zu vermeiden. Der Schutz von Weidetieren durch gezielte Entnahme von Wölfen - wie sie das novellierte Bundesnaturschutzgesetz jetzt vorsieht - muss auch in Hessen höchste Priorität haben. Mit der jetzigen politischen Haltung aus den Reihen von SPD und Grünen wird letztlich die Weidehaltung von Nutztieren in Deutschland in Frage gestellt.

Hier weist sich ein klarer Zielkonflikt der grünen Umweltpolitik auf. Im Koalitionsvertrag in Hessen hält man ambitionierte Ziele fest, um die Ökolandwirtschaft in Hessen auszubauen. Gerade im Bereich der Tierhaltung ist eine ökologische Bewirtschaftung oftmals an mehr Weidegang gebunden. Auf der anderen Seite werden aber die Tiere beim Weidegang der Gefahr des Wolfes ausgesetzt, da man hier dem Wolf keine Grenzen setzt.

Wenn dieser Zielkonflikt zwischen Wolf und Weidetierhaltung nicht klar gelöst wird, wird die von Politik und Gesellschaft für den Naturschutz und die Landschaftspflege gewünschte Weidetierhaltung in Hessen bald der Vergangenheit angehören. Dies wird die Attraktivität der hessischen Grünlandregionen und des ganzen ländlichen Raumes erheblich beeinträchtigen.

In einem dichtbesiedelten Land wie der Bundesrepublik muss jedoch sichergestellt sein, dass Weidetiere wie Schafe, Kühe und Pferde gut geschützt leben können, denn sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Landschafts- und Naturschutzpflege. Nicht zuletzt geht es auch darum, den Herdetierhaltern den Schutz ihrer Tiere zu gewährleisten. Denn Tierschutz ist, wenn es um den Schutz aller Tiere geht und nicht nur um den Schutz des Wolfes.

Wolfsverordnung die eine effektive Wolfsregulierung ermöglicht

Bereits im Jahr 2019 forderte die Junge Union Hessen eine Hessische Wolfsverordnung. Der Bund hat mit der Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes die rechtliche Grundlage für den Einstieg in die Entnahme geschaffen. Das Land Hessen sollte mit einer Wolfsverordnung diese Ermächtigung mit konkreten und rechtssicheren Regelungen für eine effektive Wolfsregulierung ausfüllen.

Wolf ins Jagdrecht aufnehmen

Der Wolf gehört wie andere Wildtierarten auf Bundes- sowie auf Landesebene ins Jagdrecht aufgenommen, damit bei einem nötigen Abschuss Rechtssicherheit besteht. Dies darf nicht nur deklaratorisch erfolgen, vielmehr muss eine jagdliche Bewirtschaftung des Wolfes gefördert werden.

Die Jäger als ausgebildete Fachkräfte im jeweiligen Jagdbezirk haben sich bewährt und sind in Notsituationen sehr schnell mobilisierbar. Eine Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht schafft Rechtssicherheit und würde die besondere Bedeutung der Jäger anerkennen. Somit würden die Jäger die Verantwortung für ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur in ihrer Jagd tragen und würden nicht zu „Helfern in Ausnahmefällen“ degradiert.

Wolfsfreie Zonen

Da in unseren dichtbesiedelten und wirtschaftlich genutzten Gebieten ein konfliktfreies Zusammenleben mit dem Wolf nicht immer möglich ist, begrüße ich ausdrücklich die Forderung der CDU-Abgeordneten Irmer, Müller und Steinraths nach wolfsfreien Zonen.

Schutzstatus senken

Eine weitere positive Maßnahme, die in einem Positionspapier der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gefordert wird, ist die Herabsetzung des Schutzstatus. Die Forderung sieht vor, den Schutzstatus des Wolfes auf europäischer Ebene von „streng geschützt“ auf „geschützt“ zu senken.

Einbindung der Betroffenen in die Erarbeitung zu Maßnahmen des Wolfsmanagements

Jäger, Förster, Landwirte, betroffene Weidetierhalter und Bewohner müssen als unmittelbar betroffene Akteure in die Erarbeitung von Maßnahmen eingebunden werden. Dies schafft mehr Akzeptanz und gibt den Praktikern die Möglichkeit, ihr Fachwissen in die Entscheidungen einfließen zu lassen.

Finanzielle Unterstützung aller Weidetierhalter

Es dürfen nicht nur Halter von Schafen und Ziegen unterstützt werden, sondern auch Pferde- und Rinderhalter. Entschädigungszahlungen müssen auf weitere Tierarten ausgeweitet werden sowie schnell und unbürokratisch im Schadensfall erfolgen. Darüber hinaus müssten effektive Präventionsmaßnahmen adäquat gefördert und Weidetierhaltern ein Rechtsanspruch auf sachgerechte Entschädigung eingeräumt werden. Auch die vom Naturschutz als „wolfssicher“ eingestuften Einzäunungen werden regelmäßig von Wölfen überwunden und sind daher als keine effektive Maßnahme zu betrachten. Herdenschutzmaßnahmen allein können den Konflikt zwischen Wolf und Weidetierhaltung nicht lösen.

Insgesamt muss der Disput zum Thema Wolf offen, transparent, wissenschaftlich basiert und ideologiefrei geführt werden. Dennoch sehe ich zum Schutz von Mensch und Tier den Wolf am liebsten in Kronberg, Frankfurt oder Köln. Nämlich dort im Zoo und nicht in unseren dicht besiedelten Kulturlandschaften. Das Motto der Grünen beim Umgang mit dem Wolf „Schafe ade, aber der Wolf tut ja nicht weh“ ist eine Gefahr für Mensch und Weidetiere.

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Lisa Schäfer
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Aktuelle Ausgabe01.04.