Corona

Vorsicht ja, Hygiene ja, Hysterie nein

1,1 Millionen Testungen – 1 Prozent Infizierte

Es gibt seit Monaten - überspitzt formuliert - fast nur noch Horrormeldungen zum Thema Corona. Manch einer empfindet die Berichterstattung als hysterisch, denn die wahren Zahlen geben keinen Grund in Deutschland für diese Hysterie. Es besteht überhaupt kein Anlass für irgendwelche Verschwörungstheorien, kein Anlass für Panik, denn natürlich sind die Zahlen der Infizierten heute in absoluten Zahlen höher als vor drei Monaten, weil wir heute drei- oder viermal so viel testen wie noch vor einigen Wochen, und zwar rund 1,1 Millionen Testungen pro Woche. Infiziert sind in etwa 1 Prozent der Getesteten, wobei infiziert nicht gleich bedeutet krank zu sein. Nur bei einem Bruchteil gibt es gesundheitliche Probleme.

Dies kann man an den Zahlen der Intensivbetten in den Krankenhäusern gut ablesen. Wir sind in Deutschland diesbezüglich hervorragend aufgestellt mit rund 30.000 entsprechenden Akut- oder Intensivbetten, von denen Corona-bedingt – das schwankt natürlich – aktuell etwa 250 (!) belegt sind. Die Zahl der Menschen, die im Zusammenhang mit Corona sterben, ist zum Glück auf einem historischen Tiefstand. Es ist dies das Ergebnis eines im europaweiten Vergleich insgesamt gesehen exzellenten Gesundheitssystems, das wie alle Systeme gleichwohl nicht frei von Schwächen ist. Es ist das Ergebnis hoher Disziplin des überwältigenden Anteils der Bevölkerung, es ist das Ergebnis von Hygiene, Sauberkeit und Abstand. Das ist auch gut so.

Gleichwohl muss man bei allen Maßnahmen immer bedenken, ob das Ausmaß der Einschränkungen gerechtfertigt ist, wenn man an den wirtschaftlichen Schaden ebenso denkt wie an die sogenannten Kollateralschäden, die es reichlich gibt durch verschobene schwierige Operationen, durch Suizide, durch mehr Gewalt in Familien und an Kindern, durch mehr Einsamkeit und anderes mehr. Es ist dies eine Gratwanderung, die auch unter verfassungsrechtlichen Aspekten stets prüfen muss, wie lange und wie gerechtfertigt sind Beschränkungen der individuellen Freiheit? Eine insgesamt schwierige Gemengelage, allerdings kein Grund zur Panik in Deutschland, kein Grund für irgendwelche Formen von Verschwörungstheorien mit Ausgangspunkt China. China hat hier eine sehr unrühmliche Rolle gespielt. Man hat über Wochen Erkenntnisse vertuscht, die Öffentlichkeit nicht informiert, und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat aufgrund persönlicher enger Verflechtungen zu China auch nicht den Part gespielt, den sie eigentlich im Sinne der Gesundheit der Weltbevölkerung hätte spielen müssen.

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Bundestagsabgeordneter der CDU Lahn-Dill
Herausgeber Wetzlar Kurier
Aktuelle Ausgabe10/2020