Das Ministerium für Staatssicherheit als Ort der perfekten, absoluten Überwachung

Stasimuseum zeigt unverstellten Blick auf den Sozialismus

Vor einiger Zeit hat der Wetzlarer Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Irmer (CDU) das Stasimuseum in der Berliner Normannenstraße besucht. Der Geschäftsführer des Museums, Jörg Drieselmann, - selbst ein politischer Häftling in der DDR - führte Irmer durch die Ausstellung und diskutierte mit ihm anschließend über die Arbeit des Museums.

Drieselmann eröffnete den Rundgang mit den Worten, dass nun der „Blick in den Maschinenraum der SED-Diktatur“ beginne. Das Museum befindet sich in der ehemaligen Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit. Dieser gewaltige Komplex bestand aus 29 Häusern mit elf Innenhöfen und war nur die Spitze des Eisbergs des Unterdrückungsstaats. Von diesem Ort aus hielt Mielkes Stasi - Schild und Schwert der alles beherrschenden SED-Partei - die Bevölkerung unter Kontrolle. Während andere Museen und Gedenkstätten den Schrecken der DDR mit Elementen der Individualgeschichte versuchen erlebbar zu machen, zeigt das Stasimuseum mit dem Fokus auf die Systemgeschichte das ganze Ausmaß der Unterdrückungsmaschinerie des DDR-Regimes.

Die SED als Partei neuen Typus' fußte auf dem Gedankengut Lenins, der anders als Marx nicht das Revolutionäre als Kernelement des Sozialismus ins Zentrum rückte, sondern die Beherrschung und Durchdringung der Bevölkerung durch die allmächtige Partei. In dem Wissen, dass Menschen nicht für die sozialistische Idee überzeugt werden konnten, ging es der SED darum, von Kindesbeinen an die Bevölkerung zu konditionieren und zu unterdrücken. Ob Schule, Pioniere, Sportverein, Arbeitsstätte oder Privatwohnung - die SED und Stasi hatte ihre Augen und Ohren überall.

Wie sehr die Stasi ihren Bespitzelungsapparat perfektioniert hatte, wurde beim Rundgang deutlich. Ohne vom Schreibtisch in der Zentrale aufstehen zu müssen, konnten die Stasimitarbeiter in kürzester Zeit jede x-beliebige Information über jeden Bürger der DDR bekommen. Ob Krankenakte, Schulnoten der Kinder, Nachbarschaftstratsch, Inhalt von Post - die Überwachung war absolut. Die Folgen für die Betroffenen waren dramatisch. Zugang zu lebensnotwendigen Medikamenten, die schulische oder berufliche Zukunft der Kinder, der Arbeitsplatz der Ehefrau - die Stasi konnte überall ansetzen und die Menschen erpressen und brechen. Selbst zu Rasterfahndungen war die Stasi mit ihrem ausgeklügelten Lochkartensystem in der Lage - und das zu einer Zeit, in der Digitalisierung noch ein Fremdwort war.

Auch wenn das die mehrfach umbenannte Partei, die heute als Die Linke in deutschen Parlamenten sitzt, nicht wahrhaben will: Sozialismus funktioniert nicht ohne diese Art der totalen Überwachung und Unterdrückung. Der Machtanspruch der Partei muss absolut sein, sonst kollabiert das System. Daher ist jedes Streben nach welcher Form des Sozialismus auch immer menschenverachtend und geschichtsvergessen.

Hans-Jürgen Irmer: „Nicht zuletzt deswegen bekämpfe ich auch so entschieden die Postkommunisten, die zu viele für salonfähig halten. Die Linken sind mit ihren Ideen und dem dahinterstehenden totalitären Anspruch eine Gefahr für die Freiheit und Demokratie. Wer das nicht wahrhaben will, hat weder die Geschichte noch die Ideen des Sozialismus verstanden. Diktaturen hatten wir genug in Deutschland! 140.000 Besucher jährlich erleben im Stasimuseum, was Sozialismus in der Realität bedeutet. Ich kann nur jedem Leser eindringlich empfehlen, das Museum aufzusuchen. Es ist es mehr als wert."

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Bundestagsabgeordneter der CDU Lahn-Dill
Herausgeber Wetzlar Kurier

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