Peinliche Anbiederung der Freien Universität Berlin
an die Peking Universität in China

Vor rund zwei Jahren feierte die Freie Universität Berlin ihren 70. Geburtstag. Sie wies darauf hin, dass sie gegründet worden sei als Antwort auf die Humboldt-Universität im Ostteil Berlins, die damals als SED-Kaderschmiede galt - daher Betonung auf bundesdeutscher Seite als „Freie“ Universität. Das sollte, so der seinerzeitige Präsident der FU in Westberlin, die Antwort auf die Verfolgung systemkritischer Studenten sein.

Von den systemkritischen Studenten ist heute keine Rede mehr, denn als die FU Berlin bei der Pekinger Universität (PKU) Gelder einwarb für einen Lehrstuhl in Berlin ließ man bei der Antragsbegründung diesen Passus der Einfachheit halber weg. Man wies lediglich darauf hin, dass die FU als Antwort auf die Humboldt-Universität gegründet wurde: Die seinerzeitigen verfolgten systemkritischen Studenten in Ostberlin oder die in Peking kein Thema. Es könnte ja den „Frieden“ stören.

Pikant am Rande, dass die PKU diejenige Universität in China ist, weil sie eine hohe Bedeutung für die kommunistische Partei hat, in der es im Bereich der akademischen Freiheit in Form von Rauswürfen von Akademikern oder Exmatrikulation von kritischen Studenten viele entsprechende Vorfälle gegeben hat, weil die PKU, wie die „Welt am Sonntag“ berichtete, die Kaderschmiede für das repressive chinesische Regime darstellt.

Chinesisches Recht in Berlin

In dem Vertrag zum Aufbau eines Lehramtsstudienganges für Chinesisch, der von Peking finanziert wird, gab es in dem Vertrag eine Passage, wonach sich die FU Berlin verpflichtete, hierzulande (!) chinesisches Recht einzuhalten. Wenn dies nicht geschehe, könne die chinesische Organisation Hanban, laut Bundesregierung ist diese der Propagandaabteilung der Kommunistischen Partei unterstellt, die Mittel von einer halben Million Euro zurückfordern. Dieses Abkommen, so echte China-Experten, gebe den Chinesen erhebliche Möglichkeiten zur Einflussnahme dahingehend sogar, dass kritische Kommentare von Studenten in Berlin bei ihrer Rückkehr nach China strafrechtlich relevant und geahndet werden können.

Verantwortlich für den Vertrag der damalige FU-Präsident Peter André Alt, mittlerweile Chef der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Auf die Kritik angesprochen, erklärte dieser lediglich lapidar, dass ihm die Wissenschaftsfreiheit am Herzen liege. Freiheit und China sind allerdings unauflösliche Gegensätze. Eine peinliche Aussage, genauso wie die des langjährigen FU-Vizepräsidenten Mühlhahn, Sinologe in Berlin, der chinesischen Medien gerne Interviews gibt, die nur noch als peinlicher Kotau (Unterwerfung) zu bezeichnen sind, wenn er beispielsweise erklärt, dass die Welt Chinas Öffnungspolitik bewundere.

Nur am Rande sei erwähnt, dass er zumindest bis vor kurzem im Beirat einer Berliner Beratungsfirma war, die sich auf China spezialisiert hat. Dabei hat er einen Vortrag darüber gehalten, wie Staaten ihr Image verbessern können. Am einfachsten dadurch, dass Menschenrechte eingehalten werden, Presse- und Meinungsfreiheit gilt und eine unabhängige Justiz urteilen kann sowie unterschiedliche Parteien bei echten Wahlen antreten können, um die Bürger darüber abstimmen zu lassen, wer regiert. Wahlen und China – auch dies ein unauflöslicher Gegensatz.

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Bundestagsabgeordneter der CDU Lahn-Dill
Herausgeber Wetzlar Kurier
Aktuelle Ausgabe9/2020