Heisterberger Weiher

Vier Jahre für eine Turnhalle

Wenn die Mitglieder der CDU-Kreistagsfraktion Schulbesuche durchführen, wird bei allem Positiven häufig beklagt, dass vorgesehene Schulbau- oder Sanierungsmaßnahmen immer wieder gestreckt, verzögert werden und nicht im vorgesehenen Zeitrhythmus gebaut wird, dass einzelne Maßnahmen über längere Abschnitte durchgeführt werden, statt aus einem Guss eine grundsätzlich geplante Maßnahmen durchzuziehen.

Beredtes Beispiel außerhalb des Themas Schule ist die Turnhalle am Freizeitheim am Heisterberger Weiher, idyllisch gelegen, gut zu erreichen, umgeben von herrlicher Natur.

Turnhalle abgebrannt

Im Sommer 2016 kam es zu einem Brand. Die Turnhalle wurde angezündet. Die Ursache oder Verursacher konnte von den Spezialisten des LKA leider nicht ermittelt werden. Im August 2016 wurde die Halle abgerissen. Im gleichen Monat bat die CDU die Kreisregierung, im zuständigen Fachausschuss einen Bericht darüber abzugeben, wie der aktuelle Stand ist und forderte gleichzeitig den Wiederaufbau der Turnhalle, die für ein Freizeitheim unverzichtbar ist. Im August 2016 erklärte der Kreis, dass man die Kosten für den Wiederaufbau auf 1,2 Millionen Euro schätze. Davon werde die Brandschutzversicherung 80 Prozent tragen, so dass beim Kreis 20 Prozent verbleiben würden.

Aus Sicht der CDU-Kreistagsfraktion, so die Driedorfer Abgeordnete Elke Würz, sei dies ein Betrag, der zu schultern und auch gut angebracht sei, denn im Freizeitheim Heisterberg würden in der Regel Freizeiten stattfinden, Fortbildungen, eine Art Schullandheimaufenthalte, Veranstaltungen der Kinder- und Jugendabteilung des Kreises und vieles andere mehr. In der Vergangenheit sei das Heim gut genutzt worden, auch wenn im Jahr 2015 und 2016 zeitweise dort unbegleitete minderjährige Asylbewerber untergebracht gewesen seien.

Neuwert 606.000 Euro

Im April 2017 berichtete der Kreisausschuss, dass die in den Jahren 1978/79 gebaute Halle einen Substanzwert von 330.000 Euro habe. Da man eine entsprechende Versicherung zum Neuwert mit Risikoaufschlag habe, habe ein Gutachten 606.000 Euro erbracht, wobei aus Sicht des Kreises dieser Betrag zu niedrig sei. Schließlich einigte man sich auf seinerzeit 706.000 Euro, die von der Versicherung zu tragen waren. Im Mai 2017 riet der Landrat vom Baubeginn im Herbst 2017 ab. Man wolle im Frühjahr 2018 beginnen. Im Dezember 2017 erklärte Kreisbeigeordneter Aurand (SPD), dass man mit der Ausschreibung noch drei Monate warten wolle, um bessere Preise zu bekommen. Im Februar 2018 erklärte Landrat Schuster, dass der Start des Neubaus im Frühjahr 2018 erfolgen solle, so dass dann im Mai 2019 die Fertigstellung rechtzeitig vor Saisonbeginn erfolgt sei.

Im April 2018 schätzte der KA die Kosten auf 1,1 Millionen Euro. Kreistagsabgeordnete Katja Silbe (CDU) fragte nach, ob denn die Differenz von der Erstattung des Brandversicherers bis zu den endgültigen Kosten vom Kreis zu tragen sei. Dies wären ja dann knapp 40 Prozent im Vergleich zu den ursprünglichen 20 geplanten Prozent. Dies bejahte der Kreis, wobei die Maßnahme als solche unstrittig ist.

Im April 2018 wurde den Abgeordneten im Haupt- und Finanzausschuss mitgeteilt, dass die Planung verschoben sei, da es kaum Handwerker gebe. Im August 2018 erklärte Landrat Schuster erneut, dass der Baubeginn jetzt im Frühjahr 2019 sei. Zum symbolischen Spatenstich kam es dann erst im Juni 2019, wobei der Landrat darauf hinwies, dass Anfang 2020 die Fertigstellung geplant sei. In der WNZ vom Mai 2020 war dann zu lesen, dass laut Aussage des Kreises die Fertigstellung jetzt für Ende Juni vorgesehen sei, allerdings ohne Außenfassade und ohne Außenanlage. Diese sollten bis September 2020 fertiggestellt sein. Man darf gespannt sein, ob wenigstens diese Aussage zeitnah auf ihre Richtigkeit hin überprüft werden kann, denn Provisorien neigen dazu, sich zu verstetigen.

Auch wenn man zugestehen muss, dass die Verhandlungen mit der Versicherung und die Erstellung des Gutachtens sicherlich zum Zeitverzug beigetragen haben, so ist dennoch nicht nachvollziehbar, dass man für den Bau einer einfachen Halle, die heutigen Ansprüchen genügen muss, gleichwohl rund vier Jahre benötigt hat. Eine zielorientierte Planung mit konsequenter Umsetzung hätte einerseits Kosten unterschiedlichster Art reduziert und die Verwaltung weniger belastet.

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Elke Würz
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Aktuelle Ausgabe02.07.