Gut, dass wir Kanzlerin Merkel haben

Im Vereinigen Königreich, in Spanien, in Italien und zum Beispiel in Frankreich sind pro Kopf mehr als fünf Mal so viele am Coronavirus Erkrankte gestorben als in Deutschland. Die USA haben mehr als 89.000 Tote zu beklagen. Während wir in Deutschland über mehr als 33,9 Intensivbetten pro 100.000 Einwohner verfügen, beträgt deren Anzahl in den USA etwa 25,8, in Frankreich 16,3, in Spanien nur 9,7 und in Italien sogar nur 8,6 pro 100.000 Einwohner. Deutschland hat teilweise die vierfache Anzahl an Intensivbetten!

In den sozialen Netzwerken wird hingegen kritisiert, dass in Deutschland nicht wie in den USA pauschal 1.200 Dollar an jeden Bürger ausgezahlt wurden. Deutschland hat ein wesentlich besseres und umfangreicheres Sozialsystem als die USA. Bei uns wurden Hilfspakete, Bürgschaften und Darlehen beschlossen. Zudem haben wir das Instrument der Kurzarbeit, um massive Jobverluste zu verhindern. Während in Deutschland über die Höhe und Dauer des Kurzarbeitergeldes genörgelt wird, meldeten sich in den letzten Wochen 27 Millionen Menschen in den USA arbeitslos. Auch werden die aktuellen Maßnahmen oft von Menschen kritisiert, die keine Corona-Erkrankung in ihrem Bekanntenkreis erleben mussten. Wer sich um ein Familienmitglied, Freund oder Bekannten auf einer Intensivstation Sorgen machen musste, einen schweren Verlauf selbst durchmachen oder zumindest beobachten musste, hält sich mit Äußerungen wie, „Corona ist auch nur eine Grippe“ eher zurück.

Anstatt über die Lage bei uns dankbar zu sein, entstehen abstruse Verschwörungstheorien, Wissenschaftler werden sogar beschimpft, und in Leun wird an einem Balkon plakatiert, „Merkel muss weg“. Gerade die Haushaltspolitik der „schwarzen Null“, bei der die Regierung Merkel in den vergangenen Jahren keine neuen Schulden im Bundeshaushalt aufnahm, bewirkt nun, dass wir mehr finanzielle Spielräume als andere Staaten haben. Auch wurde bei uns – anders als zum Beispiel in Italien – nicht jeder Betrieb geschlossen und ein noch viel größerer wirtschaftlicher Schaden angerichtet. Unsere Staatschefin redet – anders als Donald Trump – auch nicht wirr daher, man solle doch prüfen lassen, „den Menschen starkes Licht in den Körper zu bringen“ oder ihnen Desinfektionsmittel zu injizieren. In Deutschland wurde viel besonnener reagiert und stattdessen, Kontaktbeschränkungen, Hygiene- und Abstandsregeln beschlossen. Und diese Regelungen werden nun mit Blick auf den weiteren Verlauf der Pandemie nach und nach gelockert.

Man gewinnt den Eindruck, dass einige den Arzt nach überstandener Krankheit für unnötig halten, gerade weil die Therapie funktioniert hat. Deutschland scheint die Corona-Krise weitaus besser zu bestehen, als manch anderes Land. Ein Plakat wie in Leun hält der Stadtverband der CDU Leun für primitiv und hält dagegen: Gut, dass wir Kanzlerin Merkel haben.

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Kim-Robert Trapp
Kim-Robert Trapp

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Aktuelle Ausgabe02.07.