Zehn Lehren aus der Corona-Krise

1. Ohne Gesundheit ist alles nichts.

Spätestens in solchen Momenten wird jedem klar, welche Bedeutung die Gesundheit hat, die wir im täglichen Leben in aller Regel als Selbstverständlichkeit empfinden. Sie ist aber keine Selbstverständlichkeit. Wenn man morgens aufstehen kann, ohne dass man gesundheitliche Probleme hat, ist das ein echter Grund für Dankbarkeit.

2. Deutschlands Gesundheitssystem ist besser als sein Ruf

In „normalen Zeiten“ neigen viele dazu, das eine oder andere am Gesundheitssystem in Deutschland zu kritisieren. Ein perfektes System gibt es nicht, und es gibt mit Sicherheit auch das eine oder andere, was optimiert werden kann. Wer wollte das bestreiten? Vergleicht man das deutsche Gesundheitswesen allerdings mit dem in den allermeisten Staaten dieser Welt, dann wird einem spätestens in dieser Krise bewusst, dass wir international exzellent aufgestellt sind.

3. „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“

Ein Sprichwort, das gerade diejenigen besonders geprägt hat, die in der Nachkriegszeit in Deutschland den Aufbau des Staates gemeistert haben. Es war diese Kriegsgeneration, die versucht hat, ihren Kindern und Enkeln beizubringen, dass man einen „Sparstrumpf“ haben sollte, um für Notfälle gewappnet zu sein.

Genau deshalb war die Politik der Großen Koalition in Berlin, auf die sogenannte Schwarze Null zu setzen, vollkommen richtig. Nach der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 betrug Deutschlands Schuldenstand 82,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Nach dem Stabilitäts- und Wachstumspakt der EU dürften es eigentlich nur 60 Prozent sein. Frankreich hatte zu dieser Zeit 85,3 Prozent, Großbritannien 74,6 Prozent. Wir haben in Deutschland die Staatsverschuldung auf 59,2 Prozent reduziert. In Großbritannien ist sie auf 85,2 Prozent gestiegen, in Frankreich auf 98,9 Prozent, Griechenland und Italien liegen weit oberhalb der 100-Prozent-Marke.

Für diese sogenannte „Austeritätspolitik“, also Sparsamkeitspolitik, ist die Bundesregierung gerade von linker Seite häufig kritisiert und aufgefordert worden, mehr Schulden zu machen. Gut, dass diese Rufe nicht gehört wurden, denn wir sind jetzt in der Lage, mehr als alle anderen Länder dieser Welt, die finanziellen Herausforderungen zu stemmen.

4. Parlamentarische Demokratie gestärkt

Diese Krise ist die Stunde der Bundesregierung, die Stunde der Landesregierungen, aber auch der parlamentarischen Demokratie und des Parlamentarismus. Die Regierungsfraktion haben aller Orts mit einem hohen Maß an Übereinstimmung und Verantwortungsethos auf die schwierige Lage reagiert. Jeder hat nach bestem Wissen und Gewissen Entscheidungen gefällt, von denen klar war, dass sie schwerwiegende Konsequenzen haben würden. Aber alle Entscheidungen sind von der Vorstellung und der Idee geleitet, dieses Land aus der Krise zu führen und es wieder genauso stark zu machen wie es war. Deutschland wird das gelingen.

5. Grenzen können geschlossen werden

Die Corona-Krise hat es bewiesen: Binnengrenzen sind ebenso zu schützen wie die europäischen Außengrenzen geschützt werden können. Gerade innerhalb Europas ist der Verzicht auf Binnenkontrollen jedoch von besonderer Bedeutung, denn eine entscheidende Errungenschaft von Europa ist neben Frieden, Freiheit und unabhängiger Justiz Niederlassungsfreiheit, Reisefreiheit und vieles andere mehr.

6. Not schweißt zusammen

Eine erfreuliche Erkenntnis aus dieser ungewöhnlichen Situation ist, dass Menschen in Not zusammenrücken, dass der Nachbarschaftsgedanke gestärkt wird und dass, von Ausnahmen, die es immer gibt abgesehen, viele bereit sind, gerade auch der älteren Generation zu helfen. So hat sich beispielsweise die Junge Union ebenso wie andere Jugendorganisationen bereit erklärt, für Ältere einzukaufen, die Nachbarschaft stimmt sich ab, wer wem helfen kann und anderes mehr. Gerade eine solche Situation zeigt, wie wichtig der gesellschaftliche Zusammenhalt grundsätzlich ist, der in den letzten Jahren leider aus unterschiedlichen Gründen etwas gelitten hat. Vielleicht ist das ja auch ein Anlass, darüber nachzudenken, was wirklich wichtig im Leben ist.

7. Auf das Wesentliche besinnen

Wir haben in den letzten Jahren viele ideologische Debatten geführt, gestritten darüber, ob die traditionellen Schreibweisen noch richtig sind oder nicht, man nicht ein Binnen-I oder ein Sternchen nutzen muss, um die unterschiedlichen Geschlechter sichtbar zu machen. Es wäre weitaus sinnvoller gewesen, hätten wir bundesweit statt 230 Gender-Professuren, die niemand wirklich benötigt, 230 Professorenstellen geschaffen für Pandemieforschung, für Virenschutz oder auch den Zivilschutz. Es wäre wichtiger gewesen, wenn man 2012 beim SARS-Virus die Hinweise auf Entwicklungen, wie sie jetzt eingetreten sind, ernstgenommen hätte, statt zum Tagesgeschäft überzugehen mit der Begründung, dass so etwas statistisch gesehen nur alle 100 bis 1000 Jahre vorkomme.

8. Versorgung vor Ort

Gerade Apotheker und Mediziner haben in den letzten Monaten verstärkt darauf hingewiesen, dass die Arzneimittelversorgung in Deutschland und Europa auf tönernen Füßen steht, da unter ökonomischen Aspekten sehr vieles „outgesourct“ wurde Richtung Asien, weil dort billiger produziert wird. Damit haben wir uns abhängig gemacht. Deshalb ist es richtig, dass der Bundesgesundheitsminister im Bundestag erklärt hat, dass wir alles daransetzen müssen, wichtige Versorgungslinien wieder nach Europa und Deutschland zurückzuholen. Dies bedeutet weniger Abhängigkeit, schnellere Verfügbarkeit und extrem hohe Qualität.

Und wir als Bürger sollten uns fragen, ob wir die Apotheke vor Ort immer hoch genug eingeschätzt haben. Internethandel ist einfach, aber er geht zu Lasten der Versorgung vor Ort, und nichts ist besser, als der Apotheker in erreichbarer Nähe, der entsprechende Ratschläge geben kann und der auch, wie man jetzt in der Krise gesehen hat, in der Lage ist, Desinfektionsmittel, die ausgegangen sind, selbst herzustellen. Wir sollten als Bürger diese wertvolle Arbeit durch unseren Besuch in der Apotheke vor Ort verstärkt aufwerten und anerkennen.

9. Kritische Infrastruktur schätzen

In unserem Staat ist in der Vergangenheit, was die allgemeine Infrastruktur angeht, vieles sehr gut gelaufen. Alles war selbstverständlich. An Krisenzeiten dachte man nicht einmal im Traum. Spätestens jetzt hat man gemerkt, wie wichtig es ist, eine Bevorratung vorzunehmen, ob es Notfallbetten sind, Schutzausrüstungen, Beatmungsgeräte, Arzneimittel, wichtige Rohstoffe und Lebensmittel. Bevorratung kostet Geld, ja, aber es ist im Sinne der Sicherheit und der Beruhigung der Bevölkerung gut angelegtes Geld. Das Bewusstsein, dass staatliche Stellen Lebenswichtiges für den Notfall bevorraten, würde nicht nur zu psychologischer Sicherheit führen, sondern auch dazu, auf Hamsterkäufe zu verzichten, die nicht unbedingt als Ausdruck von Gemeinsinn betrachtet werden können.

10. Digitalisierung als eine zusätzliche Möglichkeit betrachten

Aus der Not heraus gab es in den letzten Tagen und Wochen verstärkt unterschiedlichste Telefonschaltkonferenzen oder auch Videokonferenzen. Auf der anderen Seite hat man auch die Chancen der Digitalisierung genutzt, die allerdings ihre Grenze hat. Digitalisierung und Videokonferenzen kann man auch im Sinne von Ökonomie und Ökologie sicherlich noch verstärkt nutzen. Gleichwohl ersetzen diese virtuellen Begegnungen niemals die persönlichen Begegnungen. Der persönliche Kontakt von Mensch zu Mensch ist psychologisch von enormem Wert. Diesbezüglich können die technischen Möglichkeiten stets nur eine Ergänzung sein.

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Bundestagsabgeordneter der CDU Lahn-Dill
Herausgeber Wetzlar Kurier

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