Klimapolitik

Ist Deutschland der Geisterfahrer?
Widersprüche zum Weltklimarat

In der aktuellen Debatte über Klimapolitik nimmt Deutschland gerne Bezug auf Empfehlungen des Weltklimarates. Zielsetzung ist es, die Erwärmung des Klimas auf maximal 2 Grad zu begrenzen. Es soll an dieser Stelle nicht untersucht werden, inwieweit die Menschheit dazu tatsächlich in der Lage ist. Richtig ist allerdings, dass alles darangesetzt werden muss, im Sinne der Bewahrung der Schöpfung den Kindern die Umwelt lebens- und liebenswert zu hinterlassen.

Man hat jedoch als unbefangener Beobachter des Weltklimarates und seiner Resolutionen und der deutschen Politik, hier insbesondere auch die der Medien, den Eindruck, dass in Deutschland nur das vom Weltklimarat kommuniziert wird, was in die eigene vermeintliche Logik und in die eigenen umweltpolitischen Vorstellungen passt.

Fragen an die deutsche Politik

Warum beispielsweise wird nicht darüber berichtet, dass in den USA viele Firmen an Konzepten für neue Kernreaktoren arbeiten, da Kernkraftwerke CO2-frei sind? Der Weltklimarat hat dies nur als amerikanischen Ansatz gelobt.

Warum wird beispielsweise nicht darüber berichtet, dass Australien hunderte Millionen Euro in die Erforschung der CO2-Abscheidung an Kohlekraftwerken investiert, also in die Erforschung der Technologie, ohne die es gemäß Weltklimarat nicht gehen wird? Stattdessen wird eine Versuchsanlage in Deutschland, die genau die CO2-Abscheidung an Kohlekraftwerken erforscht, auf Druck der Grünen in Ketzin an der Havel stillgelegt.

Warum wird beispielsweise nicht darüber berichtet, dass der Weltklimarat beim Thema „Grüne Gentechnik“ deutlich mehr Offenheit fordert, als das hierzulande geschieht. In Deutschland ist die Gentechnik politisch erledigt, obwohl es Sinn machen würde, über die Züchtung von Pflanzen nachzudenken, die mit weniger Dünger und Pestiziden auskommen – Ideologie statt Vernunft. Es kann im Endergebnis bei vielen Forschungen herauskommen, dass man diese oder jene Vorstellung nicht in die Tat umsetzen kann. Aber wenn man nicht forscht, wird man Ergebnisse gar nicht erst erfahren. Stattdessen wird ideologisch einseitig in Deutschland auf Verbote und Technologiefreundlichkeit gesetzt, statt Wissenschaft und Forschung die Chance zu geben, Dinge weiterzuentwickeln und neue Perspektiven zu entwickeln.

Dies gilt für die Nutzung der Kernkraft genauso wie für die weitere Nutzung der Kohlekraft. Dies gilt für die einseitige Fixierung auf E-Mobilität, um nur einige Beispiele zu nennen. Im Übrigen muss man darauf verweisen, dass die EU-Kommission noch im November 2018 beschlossen hat, dass zur Erreichung der Pariser Klimaziele nicht nur Sonne, Wind und Wasserenergie notwendig sind, sondern auch (!) Kohlekraft und Kernkraft!

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Bundestagsabgeordneter der CDU Lahn-Dill
Herausgeber Wetzlar Kurier
Aktuelle Ausgabe5/2020