Bürgerliche Grüne?

Einigkeit! Recht! Freiheit! zu nationalistisch

Der grüne Wolf im Schafsgewand, der im biederen und bürgerlichen Auftreten von Habeck und Baerbock daherkommt, blitzt doch immer wieder einmal auf und macht deutlich, dass die Grünen eben keine bürgerliche Partei, zumindest in Teilen, sind, sondern eine sehr linke Partei.

Aktuelles Beispiel

Egal, wie man zu der Christopher-Street-Days-Parade im Sommer vergangenen Jahres in Köln steht, interessant ist der etwas bizarre Streit, der sich dahinter abgespielt hat. Die Veranstalter dieser Lesben- und Schwulenparade hatten für die diesjährige Veranstaltung das Motto gewählt „Einigkeit! Recht! Freiheit!“. Ziel der verantwortlichen Veranstalter war es, damit an den 30. Jahrestag der Wiedervereinigung zu erinnern.

Shitstorm

Dagegen gab es einen regelrechten linken Shitstorm. Ein vom Bundesverband der Grünen Jugend angeführtes Bündnis machte Druck. Dazu gehörten Fridays for Future Köln, die Linksjugend, Jusos und andere Eliten, die erklärten, dass in Zeiten von verstärktem Nationalismus und Diskriminierung von Homosexuellen „durch den deutschen Staat“ das Motto „unverantwortlich“ sei. Die Veranstalter knickten ein, zogen den Leitspruch zurück. Der neue Slogan heißt jetzt „Für Menschenrechte“.

Linke Spießer

Wer kann eigentlich etwas gegen Einigkeit und Recht und Freiheit haben? Wir haben die Deutsche Einheit, wir haben einen Rechtsstaat, und wir haben Freiheiten in Deutschland, um die uns viele Nationen beneiden. Es sind Werte, auf denen das Grundgesetz beruht, im Übrigen Werte gerade auch für die, die in irgendwelchen Minderheitenpositionen sind. Rechte auch für die, die in den vielen anderen Staaten dieser Welt der Diskriminierung und der Verfolgung bis hin zu ihrer Hinrichtung gerade in islamischen Staaten, was die Homosexualität angeht, ausgesetzt sind. Wie kann man gegen diese Werte argumentieren?

Hoffmann von Fallersleben schrieb 1841 das „Lied der Deutschen“ mit der Zielsetzung, die Kleinstaaterei zu überwinden, Fürstenwillkür zu beseitigen und Zensur anzuprangern. Vielleicht sollten sich diese linken Spießer einmal mit der Geschichte des Liedes intensiv befassen und so unverkrampft Deutschland und die Nation betrachten, wie es für alle Europäer in ihrem jeweiligen Kontext selbstverständlich ist. Kleinkariert und spießbürgerlich kann man an die Adresse der Protestierer nur sagen.

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Bundestagsabgeordneter der CDU Lahn-Dill
Herausgeber Wetzlar Kurier
Aktuelle Ausgabe4/2020