Beeindruckende Gedenkfeier zur Reichspogromnacht in Herborn

Am 9. November wurde in Herborn mit rund 100 Besuchern der Reichspogromnacht am 9. November 1938 gedacht. Die Gedenkrede hielt Herborns Stadtverordnetenvorsteher und Landtagsabgeordneter J. Michael Müller. Er erinnerte in beeindruckenden Worten an die Ereignisse, die zu den fürchterlichen Taten der Nazi-Diktatur geführt hatten. Es sei wie so oft in Deutschland das Wort gewesen, also die Sprache und ihre Verwendung, die Tür und Tor geöffnet hätten für Gewalt und Unrecht. Die Verrohrung der Sprache habe das vorbereitet, was später in Deutschland so unfassbar geschehen sei.

Es sei in Zeiten wie diesen besonders wichtig, in Erinnerung zu rufen, dass es in Deutschland zurzeit eine Partei gäbe, die wiederum durch Sprache und Verrohrung tatsächlich Tätern die Rechtfertigung geben würde, verbrecherisch zu handeln. Vor einigen Jahren wäre es unvorstellbar gewesen, dass in Deutschland eine Synagoge durch einen Rechtsradikalen mit dem Ziel angegriffen worden wäre, die gesamte Gemeinde auszulöschen, oder dass ein Mann wie Walter Lübcke durch einen Rechtsradikalen umgebracht worden wäre.

Erst Sprache und ihre Verrohrung würden Hemmnisse und Rechtstreue überwindbar machen. Gleiches gelte für die Gewalt, die durch Linksextremisten, beispielsweise in Leipzig, ausgeübt werde. Es sei Aufgabe aller staatlichen Gewalt, aber eben auch der Bürgerinnen und Bürger, sich diesen Tendenzen der Verrohrung intensiv entgegenzustellen. Die Bürgergesellschaft müsse sich gegen solche Exzesse massiv zur Wehr setzen und der Staat seiner Verantwortung nachkommen, schnell und erfolgreich zu ermitteln und durchzugreifen. Die Veranstaltung wurde durch den Trompeter Roman Pacholek begleitet. Mit dem Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ wurde die beeindruckende Gedenkstunde beendet.

Über den Autor

Jörg Michael Müller
Jörg Michael Müller
Stellvertretender Kreisvorsitzender CDU Lahn-Dill

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Aktuelle Ausgabe9/2020