Die EU und der naive Umgang mit dem Islam

Wenn es darum geht, öffentliche Gelder für alle möglichen obskuren Institutionen und Einrichtungen an Land zu ziehen, ist der Erfindungsreichtum relativ groß. So war auch die „Stiftung für politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Forschung (SETA)“ aus Ankara erfolgreich. Sie hat einen „Europäischen Islamophobie-Report 2018“ erstellt, beauftragt von der EU und finanziert mit knapp 130.000 Euro. Herausgeber sind die österreichischen Politikwissenschaftler Farid Hafez und Enes Bayrakli. Diese Stiftung ist u.a. in Berlin und Brüssel tätig, hat allerdings sehr enge Verbindungen zur türkischen Regierungspartei AKP, wie die Zeitung „Die Welt“ vor wenigen Tagen berichtete.

Langjähriger Direktor dieser Stiftung, einer Art Denkfabrik, ist Ibrahim Kalin, heute Berater des türkischen Präsidenten Erdogan. Fahrettin Altun, Erdogans Kommunikationsdirektor, vertritt die Stiftung in Istanbul. Der heutige Direktor, Duran, hat sich aktuell auf Twitter gewünscht, dass „Allah unseren Soldaten helfen“ möge. Gemeint war der Einmarsch der türkischen Truppen in Syrien im Kurdengebiet.

Ergebnis

Das Ergebnis des Reports war vorhersehbar: Säkulare muslimische Islamkritiker und jüdische Proteste werden sofort in eine Rassisten- und Rechtsextremismus-Ecke gestellt. Besonders in der Kritik der Stiftung steht Seyran Ates, die als „zentrale Figur im Islamophobie-Netzwerk“ bezeichnet wird. Ates hatte als säkulare Muslima vor wenigen Monaten die erste für Frauen und Männer gleichberechtigte Moschee in Berlin eröffnet. Auch im Report als „islamophob“ bezeichnet wird der Islamismus-Experte und Autor Ahmad Mansour sowie die Frankfurter Islamforscherin und Hochschullehrerin Prof. Dr. Susanne Schröter. Schröter spricht sich seit langem gegen das Kopftuch als politisches Symbol des Islamismus aus und wird im nächsten Jahr hierüber auch bei der CDU Lahn-Dill referieren.

Autorin des Kapitels über den Islam in Deutschland im Rahmen des Islamophobie-Reports ist die Politikwissenschaftlerin Anna-Esther Younes. Über sie berichtete der ehemalige israelische Botschafter in Deutschland, es handele sich bei Younes um eine „radikale Aktivistin“ gegen Israel.

Kurzum: Diejenigen, die den Auftrag für die Studie vergeben und sie großzügig finanziell gefördert haben, haben bei den Autoren einmal mehr ihre politische Naivität unter Beweis gestellt. Es wird Zeit, dass in Deutschland ein Netzwerk säkularer Muslime gegen zunehmende extremistische islamische Tendenzen gestärkt wird.

Hier müssen sich die politisch Verantwortlichen in Deutschland parteiübergreifend endlich dazu durchringen, die massiven Probleme mit dem Islamismus zu benennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Bundestagsabgeordneter der CDU Lahn-Dill
Herausgeber Wetzlar Kurier
Aktuelle Ausgabe11/2019