Einführung in die taiwanesisch-deutschen
Wirtschafts- und Handelsbeziehungen
und Investitionsmöglichkeiten

Auch wenn Wetzlar und Taipeh fast zehntausend Kilometer auseinanderliegen besteht zwischen beiden Orten doch eine enge Verbindung. Der Generaldirektor des Deutschen Instituts Taipei, Doktor Thomas Prinz, ist in Wetzlar geboren. Viele Taiwaner haben außerdem Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werther“ gelesen, den der Dichter während seines Aufenthalts in Wetzlar verfasst hat. Wetzlarer Unternehmen wie Zeiss oder Leica genießen in Taiwan einen hervorragenden Ruf. Es besteht also eine gute Grundlage für eine erfolgreich Zusammenarbeit, im Bereich Kultur und Tourismus ebenso wie in der Wirtschaft und der Industrie. Doch auch wenn man die harten Fakten betrachtet, bietet sich deutschen Unternehmen in Taiwan ein sehr attraktives Betätigungsfeld.

Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen Taiwan und Deutschland

Gemäß der Statistik des deutschen Bundesamtes für Statistik betrug 2018 das Handelsvolumen zwischen Taiwan und Deutschland 18 Milliarden Euro. Die Exporte von Taiwan nach Deutschland betrugen im gleichen Jahr 10,19 Milliarden Euro. Die wichtigsten Exportkategorien waren Maschinen, Metall, Transport (Automobilbauteile). Taiwans Importe aus Deutschland betrugen 2018 7,86 Milliarden Euro. Die wichtigsten Importkategorien waren Maschinen, Elektronik, Chemikalien, Transport (Automobile).

Investitionen

Gemäß den Statistiken der Investitionskommission des taiwanesischen Wirtschaftsministeriums investierte Taiwan 2018 in elf Fällen in Deutschland mit einem Gesamtvolumen von 18,72 Millionen US$. Nach der Statistik der Wirtschaftsabteilung des Taipeh Vertretungsbüros in Frankfurt haben mindestens 255 taiwanesischen Unternehmen in Deutschland investiert. Etwa 30 dieser Unternehmen haben in Hessen investiert. Taiwanesische Investitionen in Deutschland erfolgten vor allem in den Bereichen elektronische Informationstechnologie, Maschinen, Bauteile von Automobilen, Energie und Biotechnologie.

Deutschland hat von 1952 bis Dezember 2018 mit einem Gesamtvolumen von 3,52 Milliarden US$ in 853 Fällen in Taiwan investiert. Deutsche Investitionen in Taiwan erfolgten vor allem in den Bereichen elektronische Informationstechnologie, Maschinen, Automobile, Energie und Biotechnologie. 2018 investierte Deutschland in 48 Fällen mit einem Gesamtvolumen von 642,37 Millionen US$ in Taiwan.

Taiwan ist ein liberales, demokratisches Land. Wir bieten einen offenen Markt für ausländische Unternehmen, schützen ihre Investitionen und sorgen für eine zuverlässige gesetzliche Grundlage.

Die fünf Plus zwei innovative Industrien Initiative

Die taiwanesische Regierung hat fünf plus zwei Bereiche, zu denen smarte Maschinen, Asia Silicon Valley Plan, umweltfreundliche Energie, biotechnische pharmazeutische Industrie und Verteidigungsindustrie sowie Kreislaufwirtschaft und neue Landwirtschaft gehören, als Modelle für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung ausgewählt, um hochqualifizierte Stellen zu schaffen, die Einkommen zu erhöhen und eine gleichmäßige Verteilung der Beschäftigung durch innovationsgetriebenes Wirtschaftswachstum zu gewährleisten.

Bilaterale Zusammenarbeit im Bereich Maschinenbau

Maschinen sind im Handel zwischen Taiwan und Deutschland die wichtigsten Import- und Exportgüter. Taiwan exportiert vor allem Maschinen und elektronische Bauteile nach Deutschland, während Deutschland vor allem mechanische Ausrüstung und hochwertige elektronische Produkte nach Taiwan exportiert. Beide Seiten pflegen eine Partnerschaft, die sich wechselseitig ergänzt.

Die taiwanesische Maschinenbauindustrie bietet hervorragende Investitionsmöglichkeiten für deutsche Maschinenhersteller.

Umfangreiche Industriecluster:

Taiwans Maschinenbauindustrie besitzt die Stärke von umfangreichen Industrieclustern: Upstream-Unternehmen und Downstream-Unternehmen sind eng miteinander verbunden und haben ein gut funktionierendes Satellitensystem aufgebaut, das hohe Effizienz gewährleistet, die Kosten reduziert und die maßgeschneiderte Produktion nach Kundenwünschen ermöglicht.

Talentierte Menschen:

Aufgrund der lebhaften Entwicklung von Taiwans Informationstechnologie und Maschinenbauindustrie sind Maschinenbau und Elektrotechnik bei jungen Taiwanern beliebte Studienfächer. Etwa 50 taiwanesische Universitäten und technische Hochschulen haben Abteilungen für Maschinenbau und Elektrotechnik. Jedes Jahr schließen 2500-5000 Studenten ihr Studium mit dem Bachelor oder Master ab, so dass für in- und ausländische Unternehmen hervorragende Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.

Zusammenarbeit von deutschen und taiwanesischen Unternehmen

für den dritten Markt

Da die Produktion in Taiwan durch die Konzentration der Unternehmen in Clustern sehr kostensparend erfolgt und die taiwanesische und deutsche Technologie gut miteinander kombinierbar sind, können deutsche und taiwanesische Unternehmen im Bereich Maschinenbau sehr erfolgreich zusammenarbeiten. Diese Zusammenarbeit bietet die Möglichkeit, nicht nur für den deutschen und taiwanesischen Markt, sondern auch für andere ostasiatische Länder zu produzieren.

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Bundestagsabgeordneter der CDU Lahn-Dill
Herausgeber Wetzlar Kurier
Aktuelle Ausgabe11/2019