„Ärzte für das Leben“ kritisieren Preisvergabe
an Abtreibungsärztin Kristina Hänel

Der Bundesvorsitzende von „Ärzte für das Leben“, Prof. Dr. Paul Cullen (Münster), sowie Dr. Kai Witzel von „Ärzte für das Leben Hessen“ und Cornelia Kaminski, die Landesvorsitzende der „Christdemokraten für das Leben“, kritisieren in einem Offenen Brief den Marburger SPD-Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies dafür, dass er mit einer extrem linken Organisation, der „Humanistischen Union“, den Preis „Marburger Leuchtfeuer für soziale Bürgerrechte“ u.a. an die Abtreibungsärztin Kristina Hänel aus Gießen übergeben hat. Zur Begründung nannte der SPD-Politiker, dass die Preisträgerin „ihren Dienst an der Gesundheit richtungsweisend und beispielgebend an moralischen und ethischen Grundsätzen ausrichte“. Aus Sicht der heimischen CDU-Abgeordneten Hans-Jürgen Irmer, Mitglied des Deutschen Bundestages, Frank Steinraths, Mitglied des Hessischen Landtages und Dirk Bamberger, Landtagsabgeordneter aus Marburg, eine Ohrfeige für das werdende Leben.

Offene Fragen an Thomas Spies

CDL und „Ärzte für das Leben“ fragen den SPD-Oberbürgermeister:

- Ist es ein richtungsweisender Dienst, wenn Frau Hänel ihre Definition dessen, wann ein neues Menschenleben beginnt, nicht an wissenschaftlichen Fakten orientiert, sondern für sich persönlich als den Augenblick der Geburt festlegt, wie sie mehrfach in Interviews geäußert hat – wenn sie völlig unsachlich und unwissenschaftlich behauptet, bei einer Abtreibung würde „Schwangerschaftsgewebe“ abgesaugt und mit einer solchen Behauptung Frauen wissentlich hinters Licht geführt werden?

- Ist es an ethischen Grundsätzen ausgerichtet, wenn Frau Hänel Abtreibungen durchführt, bloß weil die Eltern kein Mädchen wollen?

- Ist es ein ethischer Grundsatz, der belobigt werden muss, wenn Frau Hänel Abtreibungen durchführt, um Seitensprünge zu vertuschen?

- Ist es beispielgebend, diejenigen, die man dann als „Nichtmenschen“ (Schwangerschaftsgewebe) definiert hat, zu töten?

- Ist es beispielgebend, sich wiederholt über bestehendes Recht und Gesetz hinwegzusetzen?

Kaum Verwunderung

Ernstlich wundern über die Auszeichnung an eine umstrittene Person muss man sich im Prinzip nicht. Die „Humanistische Union“, politisch links-außen angesiedelt, setzt sich im Übrigen wie die kommunistische Linksfraktion im Deutschen Bundestag für die Abschaffung des Verfassungsschutzes aus, ist für eine Politik der offenen Grenzen, wendet sich gegen Hilfsinstrumente für die Sicherheitsbehörden wie den sogenannten Staatstrojaner und ist entsprechend politisch einseitig ausgerichtet.

Dass rechtsstaatlich Bedenkliche dabei ist vor allem die Tatsache, dass ein direkt gewählter Oberbürgermeister, der ausschließlich dem Recht verpflichtet sein müsste, jemanden auszeichnet, der bewusst geltendes Recht missachtet hat. In linken Kreisen wird man jetzt von „zivilem Ungehorsam“ sprechen oder anders ausgedrückt: In linken Kreisen gilt es als schick, für sich selbst zu definieren, was richtig und was falsch ist, was Recht und Ordnung ist, und wenn bestehende Gesetze die eigene Erkenntnis beschweren, dann zu erklären, man sei auf der Seite des Wahren und Guten und setzt sich über geltendes Recht hinweg. Wenn das alle machen würden, die mit dem ein oder anderen Gesetzeswortlaut oder Gesetzesauslegung nicht zufrieden sind, hätten wir Anarchie. Man muss Gesetze nicht für gut befinden. Solange sie aber parlamentarisch beschlossen sind, gelten sie, und zwar für Jedermann.

Über den Autor

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Bundestagsabgeordneter der CDU Lahn-Dill
Herausgeber Wetzlar Kurier
Aktuelle Ausgabe9/2019