Islamisches Zentrum Freiburg fordert Entlassung

Islamwissenschaftler Abdel Hakim Ourghi:
40 Thesen für eine Aufklärung im Islam

„Toleranz bei muslimischen Dachverbänden ist immer dann ein Fremdwort, wenn es darum geht, sich kritisch mit dem Islam in all seinen unterschiedlichen Facetten auseinanderzusetzen“, so CDU-Bundestagsabgeordneter Hans-Jürgen Irmer. Irmer unterstützt auch den Islamwissenschaftler Dr. Ourghi (Freiburg). Dieser hatte in einem bemerkenswerten Beitrag 40 Thesen zur Reform des Islam formuliert und medienwirksam an die Tür der Dar-Assalam-Moschee in Neukölln genagelt.

Ourghi, der auf Einladung der CDU Lahn-Dill zum Thema der notwendigen Aufklärung im Islam öffentlich einen Vortrag gehalten hatte, steht seit den Thesen unter besonderem Kreuzfeuer der konservativen muslimischen Verbände. So habe jetzt das Islamische Zentrum Freiburg im Breisgau gefordert, dass die pädagogische Hochschule Freiburg ihn wegen seiner 40 Thesen zu entlassen habe, da diese Thesen die Muslime beleidigten.

Genau dieses Beleidigtsein hat Ourghi in einer seiner Thesen formuliert. Diese Opfermentalität sei bei vielen Muslimen ein nicht zu unterschätzendes Machtinstrument, ja, ein moralischer Erpressungsversuch gegenüber der Mehrheitsgesellschaft. Konservative Dachverbände wie DITIB oder der Zentralrat der Muslime würden den Islam als Religion des Friedens darstellen und der Mehrheitsgesellschaft gleichzeitig Islamophobie vorwerfen. Darum seien die moderaten Muslime, die den Extremismus in ihren Gemeinden leugnen, gefährlicher als die Salafisten, so Ourghi.

Islamisten seien nur eine kleine Minderheit unter den Muslimen. Allerdings gelte, dass für beide Seiten die theologische Basis die gleiche und verbindende bleibe. Was der Imam in der salafistischen Moschee predige, vertrete auch der friedliche Imam in seiner Gemeinde, nämlich dass Juden dem Zorn Gottes anheim gegeben sind und Christen in die Irre gehen. Salafisten würden dann in die Tat umsetzen, woran die moderaten Muslime nur glaubten. Er teile, so Ourghi, auch die Auffassung seines Kollegen Mansour, wonach es zwischen radikalen und gemäßigten Muslimen in ihrer Haltung zur Frau oder zur Umma, der Gemeinschaft aller Muslime, nur einen graduellen, nicht aber einen prinzipiellen Unterschied gebe. Die Schwertverse etwa, mit denen die Islamisten ihre Gewalttaten legitimierten, würden auch in vielen Moscheen zitiert.

Islamismus und Islam hängen zusammen

Und natürlich hänge der Islamismus unmittelbar mit dem Islam zusammen, denn der Islam sei gewaltaffin, weil der Koran jede Menge Anknüpfungspunkte für Gewalt biete. Bis 624 habe Mohammed als friedlicher Verkünder seiner Religion gewirkt. Ab 624 in Medina sei eine neue Ära der Gewaltmaßnahmen eingeleitet worden. Rund 200 Stellen würden zum Kampf gegen die Ungläubigen auffordern. Wenn Ourghi schreibt, dass der nichtreformierte Islam keine Religion des Friedens sein könne, hat er recht. Und er hat auch recht in seiner Forderung, wonach die Muslime endlich einmal die Quellen ihres Glaubens kritisch hinterfragen müssten.

Diese historisch kritische Methode müsse Grundlage werden für Theologie- und Religionspädagogik, für eine gewaltfreie Kindererziehung und für geschlechtergemischte Gebete. Daher fange eine Reform des Islam bei seinen Schriften an. Eine Religion, die Gewalt gegen Ungläubige predige, sexuelle Gewalt gegen Frauen akzeptiere, den Sklavenstatus der Frau nicht kritisiere, Bekleidungsvorschriften, Vielehe, Homophobie und Antisemitismus erlaube, könne nun einmal nicht als eine Religion des Friedens definiert werden. Genau deshalb sei eine Aufklärung zwingend notwendig.

 

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Abdel Hakim Ourghi
Abdel Hakim Ourghi
Islamwissenschaftler Freiburg

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