Hilferuf einer Lehrerin an einer Brennpunktschule

Politische Konflikte nehmen zu – zu viele Nationalitäten zu wenig Integration –
Abwertung der Deutschen und Frauen –
Förderung normal- und sehr begabter Kinder geschieht zu wenig

Anlässlich der jüngst vorgelegten Untersuchung des „Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen“ (IQB) hat vor wenigen Tagen die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), als eine Begründung für das deutliche Absinken des Niveaus der Grundschüler den steigenden Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund ausgemacht. Sie erklärte, dass die bisherigen Antworten auf die größere Heterogenität der Schülerschaft unzureichend seien.

Anlässlich der jüngst vorgelegten Untersuchung des „Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen“ (IQB) hat vor wenigen Tagen die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), als eine Begründung für das deutliche Absinken des Niveaus der Grundschüler den steigenden Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund ausgemacht. Sie erklärte, dass die bisherigen Antworten auf die größere Heterogenität der Schülerschaft unzureichend seien.

Wie diese Heterogenität am Beispiel von Brennpunktschulen aussieht, möchten wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, aufzeigen. Die Redaktion hat einen Brandbrief einer höchst engagierten und sehr erfahrenen Pädagogin aus dem Großraum Frankfurt erhalten mit der ausdrücklichen Bitte, diesen zu veröffentlichen. Name und Anschrift sind uns bekannt. Er ist ein Weckruf an die Politik - parteiübergreifend -, endlich zu handeln und die Probleme nicht länger wegzunuscheln.

Aus diesem sehr persönlichen, ungefilterten und durchaus emotionalen Brief möchten wir Ihnen die wichtigsten Passagen wörtlich wiedergeben:

„- Inklusion

Fehlende Zustimmung der Eltern verhindert die Förderung der Kinder. Die „Entscheider“ über die Inklusionsgesetze sind von ihrer persönlichen sozialen (humanistischen) Weltanschauung ausgegangen. In der Realität stellt sich heraus, dass es für die Menschen aus unterschiedlichsten Kulturkreisen eine Schande und Verletzung der Familienehre bedeutet, wenn Förderbedarf bei dem eigenen Kind festgestellt wird. Folge: Abstreiten des festgestellten Förderbedarfs, Schuldzuweisung den Lehrern gegenüber, Ablehnung des jeweiligen Förderplans (keine Unterschrift).

Die weitere Folge ist, dass Kinder mit Beeinträchtigung im normalen Unterricht sitzen, ohne dass ein Förderlehrer/Integrationslehrer mit ihnen arbeiten darf.

- Förderkinder sind Opfer

Die Überzeugungsarbeit dauert teilweise mehrere Jahre, das Kind leidet und wird – gerade in einem sozialen Brennpunkt – der Lächerlichkeit und den Attacken der Mitschüler preisgegeben, denn auch hier zählt das Recht des Stärkeren.

- Normal- und sehr begabte Kinder können nicht entsprechend gefördert werden

In meiner Klasse waren im letzten Durchgang vier Kinder mit Förderbedarf, auch mit Erziehungshilfebedarf. Das Kind hat mehrfach in der Stunde aggressive Ausfälle bekommen, mit Mobiliar geworfen, lautstark Mitschüler beschimpft, um sich geschlagen. Bis ich ihn beruhigt hatte und den Kindern mit Lernhilfebedarf die Aufgaben im persönlichen Gespräch erklärt habe, war die Stunde fast vorüber. Den begabten Kindern der Klasse schiebt man dann ein Arbeitsblatt herüber in der Hoffnung, dass es selbsterklärend genug ist, das Mittelfeld geht verloren.

- Keine Integration möglich, da kaum deutschsprechende Kinder in der Klasse sind

Ein weiteres Problem ist die überdurchschnittlich hohe Zahl verschiedener Bevölkerungsgruppen in Brennpunktschulen, die meiner Ansicht nach völlig unterschätzt wird. An unserer Schule sind bis zu 14 Nationalitäten in den Klassen zu finden. Politische Konflikte werden dort ausgetragen. Integration kann aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse Aller nicht stattfinden.

- Keine Intensivklassen trotz großer Sprachprobleme

Intensivklassen werden nur genehmigt, wenn Kinder nicht über andere Länder eingereist sind. Das sind die wenigsten Schüler bei uns, trotzdem können sie kein Wort Deutsch!

- Nicht leistbare Zusatzarbeit für eine Einzelperson

Ich habe es (mit einem von mir zusammengestellten Programm) schon einmal geschafft, eine reine Migrantenklasse innerhalb eines Jahres im Bereich Deutsch auf gutes Niveau zu bringen. Das kann aber nur unter bestimmten Bedingungen gelingen. Zuerst musste ich mich um familiäre Probleme kümmern, damit die Kinder sich auf die Schule konzentrieren konnten. Zu der Zeit habe ich den Kindern teilweise Frühstück mitgebracht, Anoraks und Strümpfe zum Anziehen besorgt, Schulmaterial aus eigener Tasche bezahlt, Mütter mit Androhung der Meldung beim Jugendamt zum Augenarzt „gezwungen“, Beratungen über Frauenhäuser getätigt, Kindern meine privaten Bücher geliehen etc.

All das sind nicht unsere Aufgaben, müssen aber geleistet werden, um Kinder in der Schule erfolgreich werden zu lassen.

- Wachsende Feindseligkeit/Abwertung der Deutschen und Frauen generell

Ein weiterer Punkt ist die derzeit sehr angespannte außenpolitische Lage, deren Auswirkung wir in Form von nun sehr verschlossenem und feindseligem Verhalten uns gegenüber zu spüren bekommen. Das Vertrauensverhältnis, wie es für die Grundschule nötig ist, ist derzeit extrem gestört.

Hier noch einige Schlaglichter aus dem Schulalltag:

Einige Äußerungen, die während des Ethikunterrichtes gefallen sind:

- Ihr seid weniger wert als die Schweine, die ihr fresst (Schweinefresser).

- Wir erobern euch, einfach, weil wir viele Kinder kriegen.

- Wir sind Krieger von Allah.

- Mutter zu Lehrerin: „Ihr verderbt unsere Kinder!“

- Äußerung einer muslimischen Ethiklehrerin: „Ihr habt uns (türkische Gastarbeiter) ausgenutzt, um reich zu werden, jetzt sind wir halt dran!“

- Verdorbene Kinder

Nach nahezu jeder Ethikstunde beschwerten sich muslimische Eltern, dass ich die Weltreligion erklärt habe (Lehrplan). Sie wollten nicht, dass ihre Kinder verdorben werden. Der Begriff verdorben fiel mehrfach. Auch wurden schon einige Kinder von unserem Islamunterricht abgemeldet, da er nicht streng genug sei und beispielsweise Personen aus dem Koran gemalt wurden, was bei einigen sehr strengen Muslimen verboten sei.

- Muslime werden von bestimmten Muslimen bedroht und nicht durch den Staat geschützt

Ein vollintegrierter türkischer Vater (Ingenieur) und seine Frau (Bankangestellte) fragten mich um Rat, da ihre Tochter von Mitschülern geschlagen wurde. Der Grund waren die lackierten Fingernägel der Mutter. Sie sei eine „Hure“. Solche Beispiele gibt es viele. Ein anderer Junge wurde geschlagen, weil seine Mutter in der Öffentlichkeit rauchte.

Auch ich wurde im letzten Jahr Opfer einer Prügelattacke eines 11-jährigen Schülers. Ich habe ihn davon abhalten wollen, eine Mitschülerin zu schlagen, die ihm nicht gehorchte!!! Daraufhin richtete sich seine blinde Wut gegen mich. Einige Tage später passierte mir wieder Ähnliches. Entschuldigungen gibt es für ein solches Verhalten weder von Eltern, noch von den Kindern. Stattdessen wird die Schuld auf das Sozialgefüge der jeweiligen Klasse geschoben, das Kind ist immer das Opfer, Lehrern wird extrem aggressiv begegnet. Das wirklich Deprimierende an der Tatsache ist, dass wir Lehrer und Lehrerinnen in keiner Form Rückhalt von Schulämtern bzw. dem Gesetzgeber erhalten. In den meisten Fällen werden Beschwerden beim Schulamt zugunsten der Eltern entschieden, man will ja kein Aufsehen.

Wir benötigen dringend

- eine Arbeitsgruppe, zusammengesetzt aus Lehrern aus sozialen Brennpunkten, Islamwissenschaftlern und muslimisch demokratischen Gruppierungen, die ein Konzept für den Ethikunterricht erarbeiten, das unser Land, die Geschichte und dessen Werte erklärt;

- eine Arbeitsgruppe, die wesentlich bessere Sprach- und Unterrichtskonzepte mit moderneren Medien ausarbeitet (beispielsweise das konzeptionelle Zusammenführen von verschiedenen Online-Apps, Material vom BAMF, Goethe-Institut…);

- wesentlich schnellere Verfahren, um Kindern Förderung zukommen zu lassen;

- Erlaubnis zur Förderung durch Förderlehrer auch ohne Erlaubnis der Eltern (!);

- deutlich mehr Handhabe gegenüber Eltern und Kindern, die sich uns gegenüber aggressiv verhalten. Nur so kann auf Dauer Respekt und Ruhe erlangt werden.

- Bewilligung von Intensivklassen

Es gibt noch eine Reihe zusätzlicher Verbesserungsvorschläge…“

Dieser Brief beschreibt sehr lebensnah, hautnah und authentisch die Probleme vieler Pädagogen deutschlandweit, besonders ausgeprägt aber an Brennpunktschulen und Schulen mit hohem Migrationshintergrund. Um nicht falsch verstanden zu werden: Natürlich gibt es sehr viele engagierte, fleißige und intelligente Kinder mit Migrationshintergrund, die eine Bereicherung im Unterricht darstellen können. Man muss allerdings im Klartext festhalten, dass viele Migrantenkinder die deutsche Sprache nicht in dem Maße beherrschen wie es notwendig ist, um dem Unterrichtsgeschehen folgen zu können. Die eingangs zitierte IQB-Studie hat beispielsweise festgestellt, dass bundesweit gesehen ein knappes Drittel aller Schüler nicht mehr in der Lage ist, richtig zu verstehen, was der Lehrer überhaupt von ihnen möchte.

Bundesweites Sinken des Niveaus

Erreichten 2011 bei der Rechtschreibung noch 65 Prozent der in Deutschland lebenden Grundschüler in der 4. Klasse das Regelniveau, waren es lediglich 55 Prozent im Jahre 2016. Im Bereich der Mathematik eine ähnliche Tendenz.

- Bayern und Sachsen spitze

- Berlin und Bremen Schlusslichter

- Hessen gut behauptet

- Baden-Württemberg abgestürzt

Nicht verwunderlich aus Sicht vieler Pädagogen, dass Bayern und Sachsen, die klare Anforderungen an Schüler richten, auch was den Übergang von der Grundschule in die weiterführenden Schulen angeht, im Bereich Lesen, Rechtschreibung und Mathematik deutlich vorne sind. Schlusslicht ist und bleibt der Stadtstaat Bremen, der zwar sogenannter Inklusionsweltmeister ist, das heißt, dort werden die meisten Kinder im inklusiven Unterricht beschult, was das für die Leistung ausmacht, kann man unschwer erkennen. Berlin ist mit deutlichem Abstand zu den anderen Bundesländern Vorletzter, obwohl Berlin als Ganztagsmeister gilt, was im Endeffekt aber auch nur das bestätigt, was viele sagen: Ganztagsunterricht führt nicht automatisch zu höheren Leistungen. Er kann durchaus helfen, muss aber nicht, so dass diejenigen, die eine Zwangsganztagsschule für alle wollen, sich einmal Gedanken darüber machen müssen, ob das wirklich so erstrebenswert ist. Als Angebot jederzeit auf freiwilliger Basis ja.

Gut behauptet hat sich Hessen, das beim Lesen auf Platz vier liegt, bei der Rechtschreibung auf Platz 3 und im Bereich der Mathematik auf Platz 8.

Größter Verlierer das einstige Musterländle Baden-Württemberg, das in früheren Jahren immer mit an der Spitze war. Durch die rot-grünen Schulexperimente mit Einführung der Gemeinschaftsschule, Wegfall der Eignungsfeststellung und diesem unsäglichen sogenannten pädagogischen Konzept „Schreiben nach Gehör“ ist der Absturz in nur wenigen Jahren erfolgt. Hinzu kommt auch dort der Anteil von Viertklässlern mit Migrationshintergrund, der bereits bei 45 Prozent liegt, rund 11 Punkte über dem Bundesdurchschnitt.

Aktuelle Ausgabe11/2017