Schulzentrum Wetzlar

Endlich eine Lösung im Interesse der Schulen in Sicht

Schulleitungen danken CDU für ihre Initiative

Wenn Sie, liebe Leser, diese Sonderausgabe des Wetzlar-Kurier in den Händen halten, dann wird der Kreistag voraussichtlich mit breitester Mehrheit beschlossen haben, dass die unsägliche Geschichte um das Schulzentrum Wetzlar innerhalb der nächsten fünf Jahre beendet sein wird. Zum Zeitpunkt des Entstehens dieses Artikels hat der Kreis noch nicht getagt, aber da die Regierungsfraktionen als auch die CDU Zustimmung signalisiert haben, kann man davon ausgehen, dass demnächst die Planungen für folgenden Beschluss anlaufen werden:

1. Die Theodor-Heuss-Schule wird auf dem Spilburg-Gelände neu gebaut.

2. Die Käthe-Kollwitz-Schule wird grundlegend am bestehenden Standort saniert.

3. Die Goetheschule wird teils rückgebaut und erhält einen Ersatzneubau am bestehenden Standort.

Riesenerfolg für Schulen und CDU-Kreistagsfraktion

Bis es zu dieser Entscheidung kam, ist viel Zeit vergangen. Ex-Schuldezernent Roland Wegricht (SPD) ist vor knapp 15 Jahren von den Schulleitungen der Käthe-Kollwitz- und der Theodor-Heuss-Schule immer wieder darauf aufmerksam gemacht worden, dass die räumlichen Bedingungen durch Auslagerung bedingt, Container und steigende Schülerzahlen alles andere als zufriedenstellend sind. Doch es geschah nichts. Wegricht saß es aus. CDU-Fraktionsvorsitzender Hans-Jürgen Irmer hatte 2009 daraufhin die Initiative ergriffen und alle im Kreistag vertretenen Fraktionen, die Schulleitungen, den TV Wetzlar und den damaligen Stadtbaurat Achim Beck zu einem Runden Tisch vor Ort eingeladen. Ziel war es, in Erfahrung zu bringen, ob es, losgelöst vom SPD-Dezernenten, Chancen gibt, die unbefriedigende Situation zu lösen.

Das erfreuliche Ergebnis seinerzeit war, dass es im Jahr 2011 einen einstimmigen Beschluss im Kreistag gab, wonach die beiden Berufsschulen in der Spilburg neu gebaut werden sollten und die Goetheschule am bestehenden Standort grundlegend saniert werden sollte. Anschließend gab es einen Architektenwettbewerb. Zwei Modelle wurden präsentiert in einer Größenordnung von 100 bis 125 Millionen Euro, allerdings bei deutlich vergrößertem Raumaufwand als es derzeit der Fall ist. Man kann deshalb die Luxusversion seinerzeit nicht mit der Sparversion aktuell vergleichen.

Schulzentrum „vergessen“

2011 entschied der Kreistag, das Angebot des Landes Hessen in Anspruch zu nehmen, unter den „Schutzschirm“ des Landes zu gehen. Dies bedeutete für den Lahn-Dill-Kreis, dass seine Schulden mit einem Schlag um 65 Millionen Euro reduziert wurden, weil das Land diese Altschulden übernahm. Im Gegenzug musste sich der Lahn-Dill-Kreis verpflichten, bis 2020 einen ausgeglichenen Kreishaushalt vorzulegen. Das Problem, bei der Anmeldung zum Schutzschirm wurde das Schulzentrum vergessen. Nun war guter Rat teuer. Im März 2014 beantragten SPD, FWG und Grüne deshalb eine Abkehr des ursprünglichen Kreistagsbeschlusses mit einer Ausgabendeckelung auf 75 Millionen Euro. CDU und FDP lehnten ab.

Diese Sanierung im Bestand wurde dann mit Datum vom 1.12.2014 im Kreistag mit Stimmen von SPD, FWG und Grünen beschlossen. Die Bitte der CDU, die Ursprungsüberlegungen noch einmal aufzugreifen und mit abgespeckten Bauvarianten dennoch einen Neubau auf dem Spilburg-Gelände zu ermöglichen, wurde abgelehnt. Man sah im CDU-Vorschlag lediglich Wahlkampfambitionen. Man argumentierte, dass damit zusätzliche Kosten und zeitliche Verzögerungen (!) verbunden seien, die den Schulen nicht mehr zuzumuten seien. Diese erneute CDU-Initiative wurde also entsprechend abgelehnt.

Die CDU hatte in der Kreistagssitzung vorgerechnet, dass auf der Grundlage der abgespeckten Version ein Neubau an der Spilburg in der Größenordnung von 90 Millionen Euro möglich sei und die gedeckelten 75 Millionen Euro am Ende der über sechsjährigen Bauzeit bei vielen Unwägbarkeiten mit Sicherheit ebenfalls in Richtung 90 Millionen gehen, wenn nicht deutlich übersteigen würden.

Das Argument wollte man nicht hören. Es sollte jetzt alles ganz schnell gehen, nachdem man bereits über zehn Jahre vertändelt hat. Es gab eine Ausschreibung für einen Generalübernehmer, der bis Ende 2016 ein gedeckeltes Angebot für die Planung und den Bau des Schulzentrums abgeben sollte. Auch hier hatte die Union erhebliche Zweifel angemeldet, ob sich jemand finden würde, der eine Sanierung im Bestand bei derart gedeckelten Kosten auf sich zu nehmen wagt. Das Ergebnis kam wie es kommen musste. Es fand sich kein Anbieter. Zuvor hatte die CDU mit Datum vom 13.1. den Kreisausschuss in Form eines Antrages aufgefordert, aktuell vorzulegen, welche Angebote eingegangen sind, wie die Zeitschiene ist usw. Am 18.1. mussten dann SPD-Landrat Schuster und der grüne Schuldezernent Schreiber kleinlaut mitteilen, dass es keine Anbieter geben werde.

Letzter CDU-Versuch

Die CDU ergriff daraufhin erneut die Initiative und beantragte, auf der Basis des abgespeckten Raumprogramms noch einmal in die Planungen zu gehen, um diese letzte Chance doch noch zu nutzen, entweder dem ursprünglichen Beschluss, beide Berufsschulen dort neu zu bauen, zum Durchbruch zu verhelfen oder aber zumindest eine neu zu bauen und die anderen beiden am Standort zu sanieren. Dies hatte SPD-Landrat Schuster noch am 1.2.2017 in der WNZ beim Neujahrsempfang des Goethegymnasiums vehement abgelehnt und noch Mitte Februar im Kreisausschuss mitgeteilt, dass er dagegen sei, dass in Wetzlar neu gebaut werde.

CDU erhöht den Druck

Daraufhin teilte die CDU dem Landrat mit, dass er zwei Möglichkeiten habe. Er könne, wie auch seine Koalition, ergänzt um die FDP, das Projekt mit parlamentarischer Mehrheit, nämlich Sanierung aller drei Schulen im Bestand, durchziehen. Das müsse man dann politisch akzeptieren, obwohl es in jeder Beziehung grundfalsch sei. Man werde dann aber den Landrat und den Schuldezernenten in den nächsten sechs Jahren in jeder Kreistagssitzung auf die zu erwartenden Bauprobleme massiv und nachdrücklich ansprechen. Oder aber man einige sich auf einen Kompromiss dergestalt, dass eine Schule neu gebaut werde und die anderen beiden im Bestand saniert werden. Dies sei die CDU bereit, als Kompromiss im Sinne auch der Gesichtswahrung mitzumachen.

Das Ergebnis ist bekannt. Man einigte sich gemeinsam auf die Bildung einer Arbeitsgruppe. Hier stellte sich schnell heraus, dass die ursprünglich vorgesehenen Kosten nicht reichen werden und dass ein neues Modell derzeit etwa mit 85 Millionen Euro zu Buche schlagen werde. Aus Sicht der CDU wird das im Endeffekt auch nicht ganz reichen, weil einige weitere Unwägbarkeiten nicht berechnet sind. Aber entscheidend ist, dass das Projekt als solches auf den Weg gebracht ist.

Dank an den Fraktionschef

Dass jetzt der Kreistag ein entsprechendes Konzept beschlossen hat, ist entscheidend das Verdienst des Vorsitzenden der CDU-Kreistagsfraktion, der die Fraktion gerade in den letzten Jahren immer wieder darum gebeten hat, den Ball parteipolitisch flach zu halten und nicht öffentlich auf die Kreisregierung politisch einzuschlagen, weil sonst im Interesse der Sache zu viel Porzellan zerschlagen worden wäre. Es gab viele in der Fraktion, die gezweifelt haben, ob man das im Sinne der Schulen wünschenswerte Ergebnis jemals werde erreichen können. Irmer bewies Weitsicht und langen Atem und die Fraktion akzeptierte und folgte dem Kurs. Wenn denn im nächsten Jahr tatsächlich gestartet wird und in voraussichtlich, so die Zeitplanung, fünf Jahren alles fertig ist, dann können sich die Schüler, Eltern und Schulen bei der CDU-Kreistagsfraktion und ihrem Vorsitzenden bedanken.

Schulleitungen sagen Dank

Die Schulleiterin der Theodor-Heuss-Schule, Evelyn Benner, hat auch im Namen der anderen beiden Schulleiter klar und unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass man als Schule der CDU sehr dankbar dafür sei, dass sie im Frühjahr erneut die Initiative ergriffen habe. Die Schulen seien sich jetzt einig, dass die jetzige Lösung die entschieden bessere ist als die Sanierung im Bestand, die von allen Schulleitungen aus inhaltlichen, konzeptionellen und pädagogischen Gründen abgelehnt worden war und man, nachdem der Kreis signalisiert hatte, dass es nur diese oder keine Lösung gibt, zähneknirschend dem Sanierungskonzept zugestimmt habe.

Die CDU freut sich im Interesse der Schulen sehr darüber, dass dieser Kompromiss parteiübergreifend nunmehr möglich geworden ist.

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Franz-Ludwig Löw
Franz-Ludwig Löw

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Aktuelle Ausgabe07.12.