Minister Braun, MdL Irmer, Kreislandwirt Lang und Bauernverbands-Geschäftsführer Sames besuchen „Sonnenhof“ in Berghausen

„Von heimischen Kuhställen geht keine Gefahr aus“

Drei heimischen Bauernhöfen, zweien im benachbarten Landkreis Gießen und einem im Aßlarer Stadtteil Berghausen, machte der Staatsminister im Bundeskanzleramt, Prof. Dr. Helge Braun, seine Aufwartung. Er wollte damit den Landwirten den Rücken stärken und ein allgemeines Bekenntnis zur Landwirtschaft abgeben. Auch das Tierwohl und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln waren Gesprächsthemen, da diese immer wieder zu Diskussionen und Angriffen von dritter Seite - berechtigt wie unberechtigt im Einzelfall - Anlass bieten. Mit dem Kreislandwirt Hartmut Lang (Rechtenbach) und dem Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Gießen/Lahn-Dill, Hans-Martin Sames (Pohlheim), war Braun unterwegs, auf dem „Sonnenhof“ des Landwirtsehepaares Thomas Keiner und Sabine Keiner-Groß in Berghausen stießen aus heimischer Sicht der Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Irmer, Aßlars CDU-Vorsitzender Heiko Budde und Kreisausschussmitglied Ulla Landau (Lahnau) hinzu.

In Berghausen konnte sich Braun zum Thema Tierwohl und „Wellness im Kuhstall“ ein realistisches Bild machen. 75 Milchkühe und eine ebenso große Anzahl junger Tiere in der Nachzucht werden hier gehalten, frei sich bewegend im geräumigen Stall und auch im Freien. Die Viehbesatzdichte ist laut Bauernverband und Kreislandwirt „sehr gering“, von „Massentierhaltung“ im Sinne einer nicht tiergerechten Haltung könne keine Rede sein. Denn, so Sames: „In der Realität stehen Tierschutz und große Bestände nicht im Widerspruch zueinander.“ Alleine die Anzahl der Tiere in einem Stall sage nichts über deren Wohlbefinden oder eine tiergerechte Haltung aus.

Die Tierhaltung vor 40 Jahren beispielsweise in meist dunklen und niedrigen Ställen, in denen die Tiere angebunden waren, ist im Zuge einer Weiterentwicklung der Landwirtschaft der Haltung in modernen Kuhställen gewichen. Die Tiere können sich dort frei bewegen, den ganzen Tag fressen und werden durch moderne Technik entlastet. Eine verbesserte Milchleistung ist eine Folge davon. „Von modernen Stallanlagen - wie der in Berghausen - gehen keinerlei Gefahren aus“, so Kreislandwirt Hartmut Lang und Sonnenhof-Bauer Thomas Keiner.

Auch das Thema Pflanzenschutz und Düngemittel muss laut Bauernverband objektiv und differenziert betrachtet werden. So zeigt Hartmut Lang, der auch stellvertretender Vorsitzender des Bauernverbandes Gießen/Wetzlar/Dill e.V. ist, kein Verständnis für die jüngsten Äußerungen des Umweltbundesamtes zur Nitratbelastung des Grundwassers. Der „Nitratbericht“ der Bunderegierung weise zwar auf einige Regionen hin, in denen an der Nitratbelastung im Grundwasser „gearbeitet“ werden müsse. Allerdings ist laut Lang keine Tendenz erkennbar, dass die Qualität des Grundwassers in Deutschland immer schlechter werde. Das Gegenteil sei der Fall. Immer mehr Messstellen wiesen geringere und zurückgehende Nitratwerte auf. Zudem bringe die neue Dünge-Verordnung erhebliche Verschärfungen mit sich, was wiederum für eine weitere Senkung der Nitrateinträge sorgen werde. Ständige Pauschalkritik an der Landwirtschaft und Panikmache seien fehl am Platze und führten nur zur Verunsicherung der Verbraucher.

Nach einem Bericht der EU-Umweltagentur belegen 82 Prozent der 1200 über ganz Deutschland verteilten Messstellen, dass das Grundwasser hierzulande in Ordnung ist. Und wo es dennoch Probleme gebe, arbeiteten Landwirtschaft und Wasserwirtschaft an deren Lösung kooperativ mit. Und gerade in der heimischen Region gibt es laut Lang und Sames wegen der „sehr geringen Viehdichte“ ohnehin keine Probleme mit Nitrat.

Pflanzenschutz- und Düngemaßnahmen seien in den letzten Jahrzehnten deutlich reduziert worden. Durch neue Sorten und neue Techniken sei der Einsatz von Betriebsmitteln wesentlich effizienter, bedarfsgerechter und umweltschonender möglich. Aber, so Lang: „Kulturpflanzen brauchen eine gezielte, bedarfsgerechte Ernährung sowie einen Schutz vor Krankheiten und Schädlingen.“ Düngemittel seien sehr teuer und würden alleine schon deshalb gezielt und nach vorangegangenen Bodenuntersuchungen in kleinen Gaben portioniert und eingesetzt. Der eigene Wirtschaftsdünger - Gülle und Mist - schließe diese landwirtschaftlich-betrieblichen Kreisläufe.

Landwirte müssen laut Verbandsgeschäftsführer Sames seit über 20 Jahren mit sehr viel Aufwand jährliche Nährstoffbilanzen und mehrjährige Nährstoffvergleiche bei Phosphor und Stickstoff erstellen, was mittels unangekündigter Kontrollen überprüft werde. „Die bürokratische Last ist inzwischen teilweise erdrückend“, so Sames. Und immer neue Auflagen verteuerten die Erzeugung von Nahrungsmitteln, was für viele kleinere Betriebe sogar das Aus bedeuten könne. Und im Ergebnis würden dann in den größeren Betrieben noch mehr Tiere gehalten. Solches zu bedenken, gaben Sames, Lang und Keiner dem Minister mit auf den Weg nach Berlin.

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Aktuelle Ausgabe10/2017